FFS FFS

In vielen guten Momenten entsteht tatsächlich der Eindruck, dass jede Gruppe die andere ergänzt. In den schlechten klingt FFS genau so, wie man es bei Ankündigung dieses Kollaborations-Albums von Sparks und Franz Ferdinand befürchtete.

»Collaborations don’t work / I’m gonna do it all by myself«, singen die Scherzkekse FFS auf ihrem Album FFS. Die alten Schlawiner – FFS ist ja eine Kollaboration! Nämlich ein Treffen der großartigen, seit den späten Sechzigerjahren agierenden und hierzulande leider ein wenig in Vergessenheit geratenen kalifornischen Brüder Ron und Russell Mael alias Sparks mit den anfangs um das Jahr 2004 auch mal ganz passablen und mit vernünftigen Frisuren ausgestatteten Glasgower Sympathie-Indie-Jungs Franz Ferdinand. Sparks gelingt seit jeher das beinahe Unmögliche, nämlich eine ungrauenvolle Einbettung des Kabarettistischen in den Pop. Ihr vorerst letztes, geniales Berliner Konzert im Herbst 2012 im zu zwei Drittel leeren Postbahnhof am Ostbahnhof bewegte sich etwa gekonnt und bewusst am Rande äußerster Peinlichkeit. Franz Ferdinand waren für so etwas immer zu cool, und ihre gelegentlichen Ausflüge in musikalischen Humor gerieten trotz Talent für clevere Zeilen oft etwas schal – vermutlich spielen sie aber deswegen in der Regel vor vollen Hallen (obwohl auch ihre größten Zeiten vorbei sind).

So stimmt die Vorstellung, dass Sparks diese Kollaboration nötiger haben als Franz Ferdinand, ein klein wenig traurig. Aber wer weiß, vielleicht ist dies ja wirklich einfach ein seit langer Zeit geplantes Projekt aus Spaß an der Sache, genau wie es beide Bands in der Presse behaupten. Tatsächlich hört es sich streckenweise danach an, wie zum Beispiel im Elektropopstück »So Desu Ne«, das eine nur mit Kimono bekleidete japanische Dame besingt, die mit einer Hello-Kitty-Uzi herumwedelt. Oder beim an sich sehr nach klassischem Sparks-Songwriting klingenden »Dictator’s Son«, in dem das Schlagzeug und die Gitarren Franz Ferdinands von Produzent John Congleton toll abgemischt wurden und so Ron Maels Klavier schön bereichern. Das Verschmelzen der Stimmen von Russell Mael und Alex Kapranos gelingt in diesem Song auch – wie an vielen Stellen des Albums, schließlich teilen beide Gruppen eine ähnliche Art des Dandyhaften. Beziehungsweise haben Franz Ferdinand nach eigener Aussage viel Sparks ins eigene Schaffen einfließen lassen.

Das kann allerdings auch nach hinten losgehen. Das Abschlussstück »Piss Off«, das gleichzeitig die erste Single-Auskoppelung darstellt, klingt genau so, wie man es bei Ankündigung dieses Albums befürchtete. Nämlich wie einer der seltenen Momente, in denen bei Sparks der Kabaretthumor doch so grauenvoll bleibt, wie er normalerweise ist, und Franz Ferdinand dengeln dazu etwas uninspiriert mit. Aber in den vielen guten Momenten des Albums entsteht tatsächlich der Eindruck, dass jede Gruppe die andere ergänzt: Die Alten geben den Jüngeren den letzten Schliff im Witz, die Jüngeren den Alten ihre tanzbaren Post-Punk-Gitarren – und hoffentlich wieder ein größeres Publikum.

1 KOMMENTAR

  1. Und folgende Kollaborateure sollten folgen: MUSE und Pet Shop Boys (ernsthaft!), Imagine Dragons und Scooter (passt wie Arsch auf Eimer). Mumford and Sons und Jimmy Eat World (Overkill!). Nick Cave und Johnny Cash (ach nee, gab’s schon). Depeche Mode und Einstürzende Neubauten (Moment….). Placebo und David Bowie (okay, das ist zu offensichtlich). Björk und Faith No More (auch schon durch).

    Nope, das Album ist schon ziemlich. Ziemlich! Von daher…
    Auf jeden Fall spannender als die neue Faith No More. Immerhin. Auch eine Leistung.

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