Fever Ray „Plunge“ / Review

Kopfsprung: Fever Ray hat in der Nacht zu Freitag ein Album veröffentlicht. Plunge ist eine aufgekratzte Zusammenfassung von Karin Dreijers bisheriger Solo- und The Knife-Karriere. Und ein Manifest queerer Liebe.

„I wanna love you but you’re not making it easy“ lautet der Einstiegssatz auf Plunge, Fever Rays erster Veröffentlichung seit acht Jahren. Die Essenz des Albums ist darin bereits zusammengefasst: Es geht um die Bedingungen der (queeren) Liebe, genauer um die Wechselwirkung von Intimität und Gewalt. Früher habe es sie gestört, dass auch Gewalt so intim sein könne wie die Liebe, der Widerspruch lasse sich aber auflösen, wenn man beides miteinander verbinde, schreibt Dreijer in einem kryptischen Statement auf ihrer Webseite, veröffentlicht kurz vor Plunge.

In musikalischer Hinsicht macht uns Dreijer den Zugang leichter als noch bei ihrem Solo-Debüt. Weit weniger dystopisch als Fever Ray und zappelig wie nach einer Kanne Kaffee zur falschen Uhrzeit, knüpft Plunge dort an, wo die Geschwister Olof und Karin Dreijer als The Knife 2014 aufgehört haben. Achtziger-Synthies, Tribal-Pop und Dreijer Anderssons creepy gepitchter Gesang bilden eine eklektische, aber doch schlüssige Mischung.

Plunge ist aufgeregte Erwartungshaltung. „That’s not how to love me“ konstatiert Dreijer im etwas zähen „This Country“, und stellt anschließend fest: „No definitions in our own needs / Perverts define my fuck history“. Dann ein Versuch: „Let’s meet up when the time is right“ singt sie in im Ohrwurm „IDK About You“. Im Video zur ersten Single „To The Moon And Back“ lässt sich Dreijer dann als kaputter Humpty Dumpty genüsslich anpinkeln, die Bilder sind üppig und lustvoll. „First I take you, / then you take my / breathe some life / into a fantasy / Your lips / warm and fuzzy / I want to run my fingers up your pussy“, singt sie. Die Suche nach einvernehmlichen Gewaltphantasien braucht offenbar deutliche Worte.

Plunge kann übersetzt Sturz bedeuten, aber auch Kopfsprung. „Die Entscheidung zu fallen ist härter als der Fall an sich“, erklärte Dreijer vor ihrer Über-Nacht-Veröffentlichung. Darin steckt der Wunsch nach gewaltvoller Veränderung, vielleicht auch weg von den kargen Welten des Fever-Ray-Debütalbums.

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