Feine Sahne Fischfilet Bleiben oder gehen

Das Schöne am engen Raum? Es gibt immer etwas zu verändern! Feine Sahne Fischfilet liefern auf Bleiben oder gehen Beweise en masse.

Feine Sahne Fischfilet in einem Wort? Ehrlichkeit. Ein durchgenudeltes Wort zwar, doch beschreibt es zielgenau jene Geradlinigkeit, mit der sich die Band seit Jahren den Klischeefallen neueren Punks entzieht. Kein Kunstgewichse, keine Doppelbödigkeit, keine kryptischen Texte. All das kann auch Punk sein. FSF sind es nicht. Ihre Musik spielt nach Parametern, die so schon seit Jahrzehnten in Jugendzentren von Bandelin in Mecklenburg-Vorpommern bis ins saarländische Beckingen funktionieren. Powerchords, Trompetenfanfaren, jeder Song mit einer Hookline, so durchschlagend und gemeinschaftsstiftend wie Korn und Sprite an der örtlichen Bushaltestelle.

Wie kaum eine andere Band schaffen es FSF dabei, Spaß mit unmissverständlicher Haltung zu verschmelzen. Manch einer würde das Situationismus nennen, FSF aber nennen die Sachen, die sie ankotzen, einfach beim Namen. Dass ihnen das 2012 ein paar Seiten im Verfassungsschutzbericht einbrachte, ist der Band dabei Beinklammer und Siebenmeilenschuh zugleich: Einerseits erschwert der staatliche Röntgenblick die Auftritte, andererseits hätte sich kein noch so ausgefuchster PR-Stratege eine wirkungsvollere Maßnahme ausdenken können, um die Gruppe über die Grenzen von Meckpomm hinaus bekannt zu machen.

Auf seinem vierten Album widmet sich das Sextett nun jenen drei Worten, die von Bandelin bis Beckingen eine ganze Generation junger Provinzler bewegt: Bleiben oder gehen? Es gibt allerlei Gründe zum Verduften, soviel ist klar. Wie stark sich rechte Gruppierungen in der Provinz oft fühlen, mussten FSF bereits leidvoll erfahren, als ihnen die klare Kante gegen die Braunen unter anderem eine Axt in der Motorhaube bescherte. Dazu kommt das bundesweit Übliche: strukturelle Schwäche, Perspektivlosigkeit, massenhafte Abwanderung (ja, man ist natürlich Teil des Problems). Andererseits muss irgendjemand den Rechten die Stirn bieten, die Konzerte im JUZ organisieren und dafür sorgen, dass jungen Leuten eine Alternative geboten wird.

Was also tun, fragen FSF auf Bleiben oder gehen, den persönlichen Wunsch nach Veränderung über die mögliche Veränderung der Heimat stellen oder umgekehrt? Vor Versagensangst und Ratlosigkeit flüchten oder das Ding durchziehen? Am Ende ist diese norddeutsche Version von The Clashs »Should I Stay Or Should I Go« ein Plädoyer für das Bleiben geworden, wenn auch aus sentimentalen Gründen. Freundschaft wird als Fixpunkt im Provinzdickicht ausgemacht, Wenns und Abers werden zum Teufel gejagt. Bleiben oder gehen ist ein Album, das sich Kids aus dem Nirgendwo anhören können, wenn die Zweifel übermächtig werden. Denn FSF zelebrieren das Schöne am engen Raum: Es gibt immer etwas zu verändern. Zur Not eben sich selbst. »Am Ende« ist dabei so etwas wie das Schlüsselstück, Offenbarungseid der eigenen Ahnungslosigkeit und Streitschrift an alle Kaviarlinken: Bevor ihr von der Weltrevolution faselt, kümmert euch lieber um das, was vor eurer Haustür stinkt!

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