Faulheit – Ausstellung in Wolfsburg

PantoffelFaulheit. Wo Tocotronic das Nichtstun aggressiv propagieren, als Geste der totalen Ablehnung nämlich mit »Kapitulation«, klingt »Faulheit« ein gutes Stück bedeutungsoffener. Gerade sie kann ja das unpolitische Vergnügen überhaupt sein, und Couch Potatoing macht noch keinen zivilen Ungehorsam.  Doch »Bartleby der Schreiber« in Herman Melvilles gleichnamiger Kurzgeschichte macht es vor: aktives Nichtstun kann die alltäglichen Geschäfte zersetzen. »Ich möchte lieber nicht« wiederholt der Büroangestellte Bartleby bei jeder Anweisung von Vorgesetzten, und so bleiben die Verträge unkopiert. Hier wird Verweigerung gleich Faulheit, und die führt letztendlich zur Kapitulation – Bartleby wird abgeführt und stirbt im Gefängnis. Die Kategorie »Faulheit« ist also gerade zur Zeit wieder dringend untersuchenswert, da aufgrund eines bloßen Wirtschaftsaufschwungs alles Überlegen zu neuen Existenz-Versorgungen (»Bürgergeld« etc.) schon wieder von grandios utopischem Volbeschäftigungsoptimismus verdrängt wird.

 Der Kunstverein Wolfsburg hat am vergangenen Freitag eine Gruppen-Ausstellung gleichen Namens eröffnet. Darin zeigen 15 verschiedene Künstlerinnen und Künstler ihre Vorstellungen von Faulheit, erarbeitet nach einer monatelangen Beschäftigung mit dem Thema. Leiter des Kunstverein Wolfsburg ist übrigens FSK-Bassist Justin Hoffmann. In der ansonsten dann doch nicht so brodelnden Autostadt sorgt der KV für immer sehenswerte Ausstellungen.

Faulheit
Kunstverein Wolfsburg, Schlosstraße 8, 38448 Wolfsburg.
01.06. – 12.08.2007

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