Fatoni & Dexter »Yo, Picasso« / Review

Fatoni ist sehr schlau und sagt nur intelligente Sachen.

Fatoni hat zusammen mit dem Stuttgarter Hitproduzenten Dexter das kleine Meisterwerk Yo, Picasso (WSP) gemacht, wobei das »Yo« hier wahlweise für ich auf spanisch steht oder eben für: Yo. Yo! Der ehemalige Frontmann der Münchener Crew Creme Fresh legt nach seiner umjubelten EP Die Zeit heilt alle Hypes von 2014 nun sein erstes richtiges Soloalbum vor, an dem er die letzten drei Jahre gearbeitet hat und das in seiner jazzigen Detailversessenheit an die längst vergessenen Kinderzimmer Productions erinnert.

Fatoni ist sehr schlau und sagt nur intelligente Sachen. Er hat eine scharfe Beobachtungsgabe und zieht daraus die notwendigen zynischen Schlüsse. Er lehnt sich zurück, ohne abgehangen zu klingen, und erklärt sehr lange und ausdauernd, dass alles Pech der Welt immer noch besser sei als Hodenkrebs. Dass der betreffende Track »Stalingrad« heißt, ist ein Witz, für den man ein wenig Ausdauer mitbringen muss, aber es lohnt sich.

Fatoni weiß, dass seine fragilen Kunstwerke niemals den Kultstatus eines Mike Skinner erreichen werden, weil er zwar gerne wie Mike Skinner wäre, aber halt eben nicht Mike Skinner ist, weil sowieso niemand wie Mike Skinner ist, außer Mike Skinner selbst, aber der ist ja auch Mike Skinner. Deshalb sitzt Fatoni in seinem Zimmer, denkt an Mike Skinner, der auch noch so unverschämt gut aussieht, der Spinner, und ist am Ende dann doch wie Mike Skinner, vielleicht sogar noch besser. Yo, Picasso steckt so voller kleiner Gemeinheiten, Weisheiten, Querverweise und musikalischer Sorgfaltspflicht, dass es eines der wenigen Alben sein dürfte, die das Potenzial haben, länger gehört zu werden, als ihr Entstehungsprozess gedauert hat. Ein Kleinod.

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