Family 5 „Ein richtiges Leben in Flaschen“ / Review

Schon wieder ein Album von einer Band, die niemandem mehr etwas beweisen muss. Family 5 setzen mit Ein richtiges Leben in Flaschen ihren aktuellen Erfolgszug fort – und noch einen drauf.

Punk macht dicken Arsch. Das war der Titel des Livealbums der Düsseldorfer Band Mittagspause von 1982. Deren Sänger hieß Janie J. Jones. Im bürgerlichen Leben hörte der Meister der Selbst- und Publikumsbeschimpfung auf den Namen Peter Hein. Berühmt wurde er mit den Fehlfarben. Dann gründete er mit Freunden Family 5, eine Band, die rund läuft wie ein Teilchenbeschleuniger. Ihre Bläsersätze hatten stets soviel Energie, dass sie locker den Atomausstieg hätten kompensieren können.

Letztes Jahr erschien nach zwölf Jahren Pause ein neues Album von Family 5. War einfach da, unangekündigt. Als wären sie nie weg gewesen. Als Fan hatte man Angst. Wird das was sein? Es war was. Und jetzt? Wieder ein Album, Ein richtiges Leben in Flaschen. Und, oha, es ist noch besser! Vielleicht, weil die Band nun wirklich niemandem mehr was zu beweisen hat. Meine Lieblingsstücke heißen „Zukunft“ und „Menetekel“. Produzent Ekki Maas hat sie klugerweise gleich an Position zwei und drei des Albums platziert. „Das entspricht leider nicht der Norm / Das müssen wir entfernen / 6.000 Jahre habt ihr Zeit gehabt / Um das zu lernen“, singt Peter Hein in „Zukunft“. Das Elend der menschlichen Zivilisation handelt der Mann mal eben in ein paar Zeilen ab. Den Faschismus der Gegenwart nimmt sich die Band in „Menetekel“ vor: „Die Zeichen an der Wand / Ihr habt sie alle nicht erkannt“. Es ist eins der besten Stücke, die Family 5 je geschrieben haben, ein Lehrgedicht mit reichlich Groove.

Family 5 haben einen so dicken Arsch, dass niemand mehr an ihnen vorbeikommt.

Gitarrist Xao Seffcheque sagte dazu, er habe bloß mal ein Stück wie Andy Partridge von XTC schreiben wollen. Ich glaube, dass sie sich dabei unbewusst von „In diesem Sinn“ haben inspirieren lassen, der ebenfalls auf dem Album enthaltenen Coverversion der kongenialen Die Sterne mit einem unglaublich guten Text von Frank Spilker. Das zweite Cover ist „Autobahn“ von Kraftwerk. Die Family-5-Fassung zeigt, dass es sich dabei in Wirklichkeit um eine schrammelige Ramones-Nummer handelt. So jagt ein Knaller den nächsten, überall Supermelodien. Und Peter Hein, dessen Texte eine Kategorie für sich sind, haut seine Zeilen raus: „Separatismus muss keine Einbahnstraße sein / Rein oder raus entscheiden sie nicht allein“. Oder: „Die Chaostage-Veteranen haben Jahreskarten für alle Bahnen“. 2018 haben Family 5 einen so dicken Arsch, dass niemand mehr an ihnen vorbeikommt.

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