Fairmont

Auch wenn sich das letzte Stück auf dem Album so anhört: Es ist kein verschollener dreißig Jahre alter Song von David Bowie. Auch Aphex Twin hat sich kein neues Alias gesucht, um einige der klaustrophobischen Klänge seiner wegweisenden »Selected Ambient Works II« in einem beatorientierteren Zusammenhang neu einzubinden. Produziert hat das Album »Coloured In Memory« Jake Fairley, der unter dem Namen Fairmont eine ziemlich poppige Spielart von minimalem Techno veröffentlicht.

    Wer die tröpfelnde Hookline seiner Maxi »Gazebo/Gazelle« noch im Ohr hat, weiß, dass der Kanadier ein Gespür und Faible hat für Melodien, die sich nicht entscheiden mögen zwischen Freude und Melancholie. Auf dem Album sind es auch die gesampelte Hawaiigitarre in »Bikini Atoll« und die seufzenden Streicher in »All Good Things«, der schläfrige Gesang in »Calm Before The Storm« und dieser schleifende Sound in »Sedatives For The Sentimental«, die für Wehmut sorgen. So langsam und verträumt sind manche Stücke, dass der Eindruck entsteht, der frühe Sebastian Tellier habe sie aufgenommen.

    »Coloured In Memory« deutet seine Rückwärtsgewandtheit schon im Titel an und bedient nur in wenigen Stücken jene romantische Raveseligkeit, für die das Label Border Community früh viel Aufmerksamkeit bekommen hat. Acid gefressen haben eigentlich bloß »Mobula« und »Flight Of The Albatross«. Während James Holdens Album klarer und technoider als von manchem erwartet geworden ist, nimmt Jake Fairley die Bässe oft gleich ganz raus. Nicht nur wegen der zwei Songs (»Calm Before The Storm«, »Time’s Fool«) hört man hier wie zuvor schon von Chloé oder Supermayer eher ein Pop- als ein Technoalbum. Das zeugt von ausgeprägter Musikalität und zeigt: Seele tut Menschen gut.

LABEL: Border Community

VERTRIEB: Kompakt

VÖ: 09.11.2007

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