Facebook Mood Manipulator, der Stimmungsmacher

Facebook Mood Manipulator

Wie wir uns fühlen wollen: Ein Plugin namens Facebook Mood Manipulator ermöglicht es Nutzern – analog zur viel diskutierten Facebook-Studie – ihre Timeline emotional zu manipulieren.

Groß war zuletzt die Aufregung um eine Studie über emotionale Ansteckung auf bzw. durch Facebook, die von Wissenschaftlern der US-amerikanischen Cornell University publiziert wurde. Das Netzwerk hatte die Timeline von über 310.000 Nutzern für eine Woche manipuliert, ohne diese (außerhalb der allgemeinen Nutzungsbestimmungen) darüber zu informieren. Den unfreiwilligen Probanden wurde nur ein polarisierter Ausschnitt ihrer digitalen Umwelt zugänglich gemacht: Entweder sie sahen überwiegend positive oder negative Nachrichten. Facebook zeichnete das anschließende Verhalten der Nutzer auf und ließ es später von den Kommunikations- und Informationsforschern auswerten. Das Ergebnis: Wer viel Positives wahrnimmt, postet selbst auch eher Positives online, und andersherum.

In Großbritannien hat der Vorgang die nationale Datenschutzbehörde auf den Plan gerufen. Die Künstlerin und Programmiererin Lauren McCarthy geht hingegen einen anderen Weg. Ihr Facebook Mood Manipulator ermöglicht den Nutzern, eigenhändig Verschiebungen in ihrer Timeline vorzunehmen und so das Experiment selbst nachzuvollziehen. Das Plugin für den Browser Chrome fragt dabei: How would you like to feel? Zur Kalibrierung der Antwort gibt es vier Variablen vor, die von »less« bis »more« eingestellt werden können: positive, emotional, aggressive, open.

Bei entsprechender Einstellung kann die Timeline plötzlich nur noch aus traurigen Liedern, niedergeschlagenen Fußballern und Berichten über die deutsche Asylpolitik bestehen – oder aus jubelnden Fans, »Happy«-Flashmobs und Magazinbeiträgen über das Glück. Lauren McCarthy nutzt dabei für ihren Facebook Mood Manipulator das Sprachanalysesystem Linguistic Inquiry Word Count, kurz: LIWC, welches bereits in der besagten Studie verwendet wurde.

Den nächsten Schritt muss die Nutzerin dann selbst gehen. Frei nach New Order: Tell me now how should I feel, Spiegelbild! Wie sehr passt sich nach einigen Minuten oder Stunden manipulierten Facebook-Gebrauchs die tatsächliche an die gewünschte Stimmung an? Will man nun dauerhaft die Schieber für positive und open auf ganz rechts stellen? Welche Möglichkeiten nicht nur der allgemeinen Ablenkung, sondern auch der (politischen) Beruhigung und Befriedigung bietet das Netzwerk höheren Diensten bzw. sich selbst?

Im Kopf sollte dabei immer behalten werden, dass auch die Nutzer selbst bereits Manipulation betreiben. Ob Statusmeldung oder Kommentar: Online präsentiert man eher eine idealisierte zugespitzte Wunschvorstellung des eigenen Alltags und Handelns, als diesen tatsächlich real abzubilden. Vielleicht ist das auch gar nicht so schlecht, wenn es denn bewusst eingesetzt wird. Eine Emotionsperformanz, ein irrationales Würfelspiel mit den eigenen Gefühlen in der Außendarstellung, erschwert schließlich die Aus- und Verwertbarkeit der eigenen Daten.