Ezra Furman „Transangelic Exodus“ / Review

Auf Transangelic Exodus wagt Ezra Furman sich verstärkt an die glamourösen, überkandidelten Gesten heran, die man von den Sparks, Rufus Wainwright oder den frühen Queen kennt. Anders gesagt: Furman klingt endlich so, wie er schon lange aussieht.

Dass Ezra Furman sein neues Album als Roman oder Sammlung von Storys zu einem übergreifenden Thema verstanden wissen will, passt zu seinem poetischen Ansatz als Songwriter. Er sei vernarrt in Eröffnungszeilen, sagte er mal, egal ob sie Sinn ergäben oder nicht. Im Idealfall beginnt mit den ersten paar Wörtern eine unerhörte Begebenheit, zumindest eine spektakuläre Anekdote. Furman kriegt das auf Transangelic Exodus immer wieder mühelos hin. Nach Zeilen wie „I woke up bleeding in the crotch of a tree / TV blaring on the wall above the coffee machine“, will man jedenfalls wissen, wie es weitergeht.

Furman klingt endlich so, wie er schon lange aussieht

Loses Konzept der Platte ist die Liebe des Protagonisten zu einem Engel, dem er durch halb Amerika hinterherreist – mutet kitschig an, entfaltet sich aber zur genauen Beobachtung des Status quo in einem zunehmend paranoider werdenden Land, das einst „land of the free“ genannt wurde. Der Begriff „Trans“ im Titel steckt das queere Setting ab, das sich musikalisch deutlicher zeigt als noch auf Furmans letztem Album Perpetual Motion People. Mit seiner Band, die nicht mehr The Boy-Friends heißt, sondern The Visions, streunt er zwar immer noch gern durch amerikanischen Pop der letzten 60 Jahre, von Folk über Doo-Wop zu Garage-Punk und Rap-angehauchten Beats, wagt sich aber auch verstärkt an die glamourösen, überkandidelten Gesten heran, die man von den Sparks, Rufus Wainwright oder den frühen Queen kennt. Anders gesagt: Furman klingt endlich so, wie er schon lange aussieht.

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