Explosions In The Sky

EITSHandWangePiano-Tremolo. Bedächtiges Gitarrenspiel. Die HiHat wird gestreichelt. Einatmen! Tremolo auf den Toms. Drei Moll-Anschläge. Der letzte Anschlag als Punkt. Als Ausrufezeichen! »What Do You Go Home To?«, das vierte Stück des neuen Albums von Explosions In The Sky, endet in erdrückender Stille. Die Wunde liegt offen, die Probleme können angegangen werden. Welche Probleme das sind? »All of them!«

    Munaf Rayani antwortet, ohne zu zögern, klar und überzeugt. In der Tradition von A Silver Mt. Zion oder Mogwai entwirft er mit seinen Bandkollegen instrumentale Weltuntergangs-Szenarien. Explosions In The Sky vokalisieren Bilder, konstruieren mit mathematischer Strenge Kontraste zwischen laut und leise, hart, smart und zart. Es ist ihre Lautmalerei, die die Texaner nicht als beliebige Instrumental-Band ausweist, sondern als Künstler, die den Begriff des klassischen Storytellings durch ausgeklügelte Klanglandschaften ersetzen. »Wir wissen, wie sich zwei davonlaufende Kinder für uns anhören. Dann müssen wir uns nur noch überlegen, wie das klingt, wovor sie weglaufen«, sagt Munaf Rayani.

    41 Meilen südöstlich von Minneapolis. Eine Landstraße nahe der Kleinstadt Cannon Falls. Ein Stich führt hinunter zu einem Gebäudekomplex: Die Pachyderm Studios liegen in the middle of nowhere, isoliert und alleine. Der Ort atmet Geschichte. Neben Nirvana produzierte Steve Albini hier auch PJ Harvey, dort nahmen Ramblin’ Jack Elliott, die Jayhawks und The Wedding Present auf. »Es hat sich merkwürdig angefühlt, auf diesen Feldwegen spazieren zu gehen oder das Studio zu benutzen, in dem Wissen, dass dies auch Nirvana getan haben. In dieses Studio zu gehen war Johns Idee! Er hatte damit ein gutes Händchen, alles lief reibungslos.«

    John Congleton, The-Paper-Chase-Congleton, mehr Engineer als Produzent, sicher aber Freund und Fan von Explosions In The Sky. Seit damals, als er in einem Restaurant in Austin Musik aus »The Earth Is Not A Cold Dead Place«, dem dritten Album der Band, hörte. Parallel dazu gaben sich vier Menschen nur unweit entfernt beeindruckt von seiner Produktion zu »Panda Park« der 90 Day Men. »Man kann John als Schüler Albinis bezeichnen«, meint Munaf Rayani. »Der Großteil dessen, was wir aufnahmen, war live!« Nach zehn Tagen waren die Aufnahmen beendet. Das letzte Stück des neuen Albums, »So Long, Lonesome«, klingt versöhnlich. Michael James lässt nochmals das Klavier tanzen. Wird ruhiger. Und ruhiger. Verstummt. Explosions In The Sky beenden ihre Geschichte. Mit einem Happy-End, natürlich. Jede Geschichte, ob sie von Glück oder Unglück erzählt, endet versöhnlich.

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