Diverse Eskimo Volume 5 mixed and compiled by The Glimmers

Geschmackssicher geht wie folgt: »Loaded« von Primal Scream an den eigenen Shirley Bassy-»Slave to the Rhythm«-Dub an »Love to Fly« von Venus Gang kitten, schon vergisst man als Hörer, warum eigentlich die Skip-Taste erfunden wurde. Compilations gibt es viele, keine scheint aber aktuell nötiger als der siebzigminütige Mix des belgischen Produzentenduos The Glimmers, die nach DJ Kicks und Fabric Live nun auch den fünften Teil der Eskimo Recordings-Reihe mischen durften. Woran andere Zusammenstellungen gerne kranken – das Aneinanderreihen von It-Künstlern – fällt hier nahezu flach: LCD Soundsystem, die verqueren Klangarrangeure von Tussle, die genannten Eröffnungskünstler plus 50 Sekunden Trio – damit haben sich die großen Namen auch schon wieder erledigt. Stattdessen Überraschungen: »Fragment One …« von Kenneth Banger ist runtergepitchter Techno einerseits, gleichzeitig aber auch Folk und Trance. »Ma Foom Bey« (1986) von Cultural Vibe – Trevor Jackson packte den Titel auch auf seine DJ Kicks – harmoniert durch die afrikanischen Vocals, die nahezu durchgehend rasselnde Hihat, den Downtempo-Beat und durch die interessanten Synthie-Spielereien aufs Beste mit Eugene Records »I Don’t Mind« im Runaway’s Wurst Edit. Der entfaltet sich erst zur Mitte hin mit seinen Seitenhieben auf frühen siebziger Jahre Disco. Bis dahin: Viel Percussion, Rasseln, Knattern, ein lässiger Basshook, wie es sich für Funk und Soul in Dub eben gehört. »J´aime Regarder les Filles« (1981) des Franzosen Patrick Coutin, halb Chanson, halb Groove, aber irgendwo auch Punk, oder wegen der verzerrt gespielten Gitarre wenigstens Rock-Musik, jedenfalls überzeugend. Darauf folgt »Da Da Da«, was einen tatsächlich herrlich passend gewählten Bruch darstellt. Über all dem globalen Get-Together thront »Fata Morgana« der Dissidenten. Das 1985 in Marrokko aufgenommene Stück entziehen The Glimmers geschickt der Dramaturgie dieser Compilation, rücken es in den Vordergrund und damit ins Gedächtnis. So bleibt auch im Verlauf des Mixes der Eindruck, dass damit ein wenig Einfallsreichtum ausgegangen ist, denn solch musikalische Eigenständigkeit, wie es das Oriental »Fata Morgana« entwickelt, findet sich später nicht wieder. Dennoch: Dieser Mix gehört in jedes Regal, denn daran kann man musikalisch wachsen. Druckvoll und ohne die große Abfahrt führen sie hier musikalisch Wiedersprüchlichstes zusammen und zeigen, wie global und zeitlich unzusammenhängend Popmusik doch funktionieren kann.

LABEL: Eskimo Recordings

VERTRIEB: Neuton / RTD

VÖ: 07.09.2007

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