Esben And The Witch A New Nature

A New Nature, ein neuer Ansatz: Esben And The Witch befreien sich mit ihrem dritten Album aus ihrem Weder-Fisch-noch-Fleisch-Stadium.

Anfang des Jahres 2011 zierte ein Videostill von Esben And The Witchs »Marching Song« das Cover dieser Zeitschrift – Schwerpunktthema war das Jenseits. Das 2008 in Brighton gegründete Trio passte perfekt zu Zeit und Thema und forderte mit seinem Post-Goth-Progrock Begriffsneuerfindungen wie »Nightmare Pop« (so bezeichneten sie ihre Musik eine Zeitlang selbst) oder »Witch House« nur so heraus. Die Vorliebe für die dunklen Seiten der Literatur und für Videos mit Blut und Wunden rundeten das Gesamtbild ab.

Trotz und wegen ihres unbestreitbaren Pop-Appeals – die Coverversion von Kylie Minogues »Confide In Me« machte Esben And The Witch berühmter als ihre eigenen Songs – und zweier erfolgreicher Alben steckten Rachel Davies, Thomas Fisher und Daniel Copeman in einem unguten Weder-Fisch-noch-Fleisch-Stadium fest. Gothic-Fans fanden die nach einem dänischen Gruselmärchen benannte Band zu leichtgewichtig und unentschlossen; Pop-Leute konnten mit der konsequent düsteren Ästhetik auf Dauer doch wenig anfangen.

Esben And The Witch handelten: Nach der Splitsingle mit Thought Forms auf Geoff Barrows Label Invada trennten sie sich von Matador und gründeten ihre eigene Plattform Nostromo. Das neue Album finanzierten sie via Crowdfunding und ließen es von Steve Albini produzieren. Da Albini seine Kunden immer machen lässt, was sie wollen, darf man davon ausgehen, dass Esben And The Witch endlich so klingen, wie sie es sich einst gewünscht hatten. Bedeutet unter anderem: keine Drum Machines mehr, nur analoges Schlagzeug, das ab Track eins (»Press Heavenwards!«) den Sound bestimmt. Wäre »druckvoll« nicht ein so abgedroschenes Wort, fände es hier Verwendung.

Überhaupt gibt es nicht so viel Dekor, sondern mehr ein abwechselnd donnerndes oder wisperndes Wandern zwischen Prog und Neo-Goth, was in schwierigen Momenten wie eine Mischung aus Jefferson Airplane und Nightwish klingt, in den guten wie ein Update von Mogwai. Diffiziles Songwriting ist nach wie vor nicht Esben And The Witchs Stärke, weshalb man sich nach der guten Stunde, die A New Nature beansprucht, an kaum etwas erinnern kann.

Um es abzukürzen: A New Nature berührt durch den unbedingten Wunsch, Sinn ergeben und eine Geschichte erzählen zu wollen. Das fängt mit dem Caspar-David-Friedrich’esken Cover an und hört mit den auf zwei LP-Seiten ausgebreiteten acht epischen Stücken, deren Krisis und Wendepunkt natürlich in den mittleren Tracks »The Jungle« und »Those Dreadful Hammers« stattfindet, nicht auf. Rachel Davies verlässt den Klagegesangmodus nur selten, weshalb man die Lyrics auch kapiert, wenn man nicht bewusst auf die Texte hört. Zur Sicherheit heißt der letzte Track »Bathed In Light«, falls doch jemand etwas nicht mitgekriegt haben sollte.

 

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