Es lebe die Dehierarchisierung: Das Papiripar-Festival in Hamburg

Sven-Åke Johansson

An drei Tagen im Oktober werden in Hamburg Grenzwälle eingerissen und Brücken gebaut nicht aber etwa steinerne über der Elbe, sondern metaphorische zwischen den einzelnen Kunstformen. Denn das in diesem Jahr erstmals stattfindende interdisziplinäre Festival Papiripar hat sich vorgenommen, die mehr oder minder unbewusste Hierarchisierung in der Rezeption der Gattungen abzuschaffen.

Immer wieder gibt es Versuche, die veraltete und doch festgefahrene hierarchische Ordnung zwischen den einzelnen Kunstformen abzuschaffen und allen den gleichen Stellenwert einzuräumen. Sei es mittels Ausstellungen, wie zum Beispiel Doppelleben im Wiener Mumok, wo das Phänomen musizierender Künstler_innen untersucht wird, oder aber durch Festivals wie Camp/Anti-Camp – A Queer Guide To Everyday Life des Berliner Performancekollektivs CHEAP um Vaginal Davis, das ein Nebeneinander der Genres auch räumlich und zeitlich übersetzt.

Mit gleichem Ansatz und unter dem Schlachtruf der Siebziger-Undergroundszene Mehr Musik in die Kunst, mehr Kunst in die Musik! wurde auch das interdisziplinäre Festival Papiripar in Hamburg gegründet. Was schon damals die popkulturelle Szene prägte, scheint besonders heute von Relevanz, wird doch schließlich im digitalen Jetzt das Repertoire an künstlerischen und musischen Instrumenten stetig erweitert und vermengt. Und so luden die Kuratoren Felix Kubin und Florian Bräunlich zahlreiche internationale Kulturschaffende in die Hansestadt ein, deren Betätigungsfelder keinesfalls hermetisch voneinander zu trennen sind.

Auftreten werden unter anderem die belgisch-holländische Künstlergruppe Pinkie Bowtie, deren Veranstaltungen eher Konzerte als Präsentation herumstehender Exponate sind, und der Wahlberliner Sven-Åke Johansson, der in den vergangenen Jahrzehnten sein Schlagzeugspiel um die Klänge und Sounds von Feuerlöschern, Traktoren oder Telefonbüchern erweiterte. Die Kolumbianerin Lucrecia Dalt hingegen kehrt eher zu den antiken Anfängen künstlerischer Interdisziplinarität zurück und lässt Literatur, bildende Kunst, Gesang und Wissenschaft ineinander übergehen. Und als wären all diese Entgrenzungen nicht schon genug, werden die Betreiberinnen des Düsseldorfer Qualleninstituts die Bewegungen dieser geisterhaften Wesen multimedial umsetzen.

Papiripar geht es um Dehierarchisierung, und zwar im Künstlerischen wie im Sozialen. Auch deshalb findet das Festival in zwei Künstlerhäusern statt: Im Künstlerhaus Westwerk und auf der Wendenstraße, die im kulturell eher unbeachteten Bürostadtteil Hammerbrock liegt. Nicht nur also will Papiripar helfen, bisher marginalisierte Kunstformen neu zu entdecken, sondern auch andere Räume und Szenen kennenzulernen.

Und wer schonmal ins Lineup reinhören will, der sollte auf die festivaleigene Mixcloud-Seite gehen.

Papiripar: Festival für Pop, Kunst und Rotation
17.10. – 20.10. Hamburg – Künstlerhäuser Westwerk und Wendenstraße
Für weitere Informationen rund ums Papiripar besuchen Sie bitte die festivaleigene Website.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.