Es kommen alle: SPEX präsentiert Torstraßen Festival 2016

Gratulation zur Einschulung! Die einstige Newcomerrutsche rund um die Hauptstadtmitte gehört längst zum SPEX-Inventar. Im sechsten Jahr entwächst das Line-up endgültig den Kinderschuhen. 

Licht an für die Licht-aus-Ausgabe des Torstraßen Festivals am ersten Juni-Wochenende. Dass Kirchenschiff-Bäuche Pop gebären, ist seit den Berghain-kompatiblen Klaviaturorgien einer Anna von Hausswolff Fakt. Schon einige Jahre vor dem Trend zur Basilikabeschallung ging wiederum Julianna Barwicks Welt orgelnd zugrunde. Mit ihrem kommenden Album Will tritt die Amerikanerin auf dem peak des Grabpop-Movement aus der Leichenstarre zur neuerlichen Verrenkung an den Pfeifen an.

Ähnlich Dampf auf dem Kessel hat Jozef van Wissem, kommt dabei allerdings  ohne Looppedalenfußkrampf zu Potte. Alternativer Risikofaktor: Sehnenscheidenentzündung. Der Lautenschläger vorm Herrn hängt neben Jim Jarmusch als gesichtsloser Posterboy im Konferenzraum des Vampir-Fanclubs. Für den dazugehörigen Imagefilm (Only Lovers Left Alive) wurde er mit einem Soundtrack-Preis bei den Filmfestspielen in Cannes geehrt. Frisurbedingt gehandicapt trifft van Wissem seit 20 Jahren blind die Töne. War das mal nicht der Fall, war eine Saite im Weg.

Jozef_van_Wissem
Weiter mit ganz anderen Dunkelmunkelern: 
Für ihre Konzeptplatte Foam Island haben Darkstar aka Zipper bis zum Anschlag (Foto ganz oben) Traumprotokolle junger Menschen in Post-Dubstep-Synthpop überführt. Merke: Beim Festival der gut vereinten Gegensätze steht neben Elysiums finest auch musikalischer Realismus hoch im Kurs.

So ist Who Cares What the Laser Says nicht nur Titel des baldigen Albums der Leipziger Gebrauchsrocker White Wine, sondern auch die Rückkehr zum Irdischen im Torstraßen-Programm. Weil ihre Post-marriage-Spießbürgerexistenz wenig Stoff für noch mehr wütende Gitarrenmusik bietet, bedient sich White-Lung-Sängerin Mish Barber-Way fortan im Leben anderer: »Two songs are written from the voice of famous serial killers. Another song is two people fighting. This album is schizophrenic« – und ein wenig altersmilde, heißt: langsamer angehen und sowieso erstmal auf die Schuhe glotzen. 

Coming-of-Age-Pop kommt hingegen von der Isländerin Farao und Asbjørn aus Dänemark. Qua Herkunft Unterkühltes bieten zudem die dänisch-kanadische Ab-und-an-Berlinerin und Molly-Nilsson-Schwester im Geiste Sally Dige sowie Kedr Livanskiy, Produzentin aus Moskau.

Danach noch in die Schwitzkastendisko mit hottest Weltmusik von The Paradise Bangkok Molam International Band. Die ganze Schar Surfgitarren-Bongo-Psychedeliker Geburtsjahr 1941 bis 1990 reingequetscht, wird’s langsam eng auf dem Generationenporträt. Ach ne, einer fehlt noch. Wenn der alle Kumpels vom Album mitbringt, ist das TSF Nullsechzehn ohnehin schon ausverkauft.

SPEX präsentiert Torstraßen Festival 2016
04. & 05.06. Berlin – Acud Macht Neu, Volksbühne, Grüner Salon, Roter Salon, Bassy Club, Gaststätte Prassnik, St. Oberholz, Z-Bar, Kaffee Burger
Detaillierte Informationen und Tickets gibt es hier.

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