EPMD

EPMD steht immer noch für »Erick and Parish making dollars«. Es fällt schwer, angesichts der Historie und Diskografie dieser Band nicht mit Superlativen um sich zu werfen. Erick Sermon und Parish Smith gehören aber unstreitbar zu den Koryphäen im Hiphop und blicken auf gut zwanzig Jahre Beats und Reime auf mittlerweile sieben Alben zurück. Das schaffen wenige. Ihr Debut »Strictly Business« gilt in Fachkreisen als eine der besten Platten des Genres und brachte 1988 einen völlig neuen Funkeinfluss in das Ostküstengeschehen mit ein. Zu dieser Zeit, als die meisten im Big Apple sich noch primär an Loops von James Brown abarbeiteten, kamen die beiden mit bis dato unbenutzten Zapp-Zitaten und einem Reimstil, der herrlich gelangweilt vor allem eines tat: immer wieder das selbstgewählte Credo des »Ruff, Rugged and Raw« zu manifestieren.Auch im Fashionkontext wurde ihr Auftreten in Fischerhüten zu einem Sinnbild des Hardcorebegriffes und prägte eindeutig das Aussehen der Bboys von Brooklyn bis Berlin.

    1990 attestierte der damalige Spex-Autor Ralf Niemczyk den beiden in der Kritik zu ihrem dritten Album »Business as Usual« weitsichtig eine »knarzige Klotzköpfigkeit«, die sich rückblickend als überlebenswichtig erwies. Denn EPMD haben sich nie irgendwelchen Trends angebiedert und dadurch ihre eigene, kleine Nische geschaffen.

    Auch ihr mittlerweile siebtes Studioalbum »We Mean Business« stellt keine Ausnahme dar. Sicherlich sind die Sounds moderner, aber schon der Eröffnungssong »Puttin’ Work in« mit Raekwon vom Wu-Tang Clan gibt die Richtung vor: Hardcore wie eh und je, keine Gimmicks und mit dem richtigen Arbeitsethos versehen. Die Chemie zwischen den beiden stimmt nach wie vor, das Zuspiel in Versform funktioniert wie eine gut geölte Maschine, und Veteranen wie KRS 1, Mobb Deep oder der aus dem eigenen Stall entsprungene reimende Tausendsassa Redman fügen sich bestens ein in das Zusammenspiel. Lediglich die Zusammenarbeit mit Teddy Riley bei »Listen Up« wirkt deplaziert und ist wohl eher Erick Sermons Soloaktivitäten der letzten Jahre geschuldet, die ihn immer wieder in souligere Gefilde getrieben haben. Gut umgesetzt und thematisch ein Volltreffer ist hingegen das auf einem Sample der O’ Jays basierende »Back Stabba«, bei dem das Duo eindeutig abrechnet mit all den Heuchlern, die dich anlächeln, nur um dir hintenrum das Messer in den Rücken zu rammen.

    Die Auseinandersetzung mit  dem aktuellen Status der Hiphopkultur findet ebenfalls statt. Auf »Left for Dead«, das von 9th Wonder sehr schön in Szene gesetzt wurde, gehen Erick und Parish in eine ähnlich Richtung wie Nas bereits vor einiger Zeit mit »Hiphop is Dead«. Dieses Monieren birgt aber die Gefahr, dass angesichts neuer Phänomene wie Lil’ Wayne und Soulja Boy sowieso nur die bereits bekehrten erreicht werden. Und genau dieser Umstand ist es, der das Unternehmen EPMD gleichzeitig Fluch und Segen sein lässt. Denn wer mit Anfang 40 im Rapbereich immer noch relevant sein will, aber gleichzeitig Haltungen und Werte vertritt, die sich seit 1992 nicht mehr entscheidend verändert haben, läuft Gefahr, als abgehalfterte Opas abgetan zu werden. Gleichzeitig wünscht man sich von den beiden doch nichts anderes, als das: genölte Raps und harte, zeitlose Beats, direkt heraus, ohne Schnörlel und Firlefanz. In Zeiten der Krise wirken EPMD einmal mehr wie eine wirklich verlässliche Bank, geradezu wie Dollars unterm Kopfkissen.

LABEL: Bodog Music

VERTRIEB: Soulfood

VÖ: 05.12.2008

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