Im Korb mit der Kobra: Pre-Listening Kali Sahara

Breitbeinig gegen Breitbeinigkeit: Kali

Um im Bilde zu bleiben: Die iranische Beat-Viper Kali züngelt auf ihrer am Freitag erscheinenden EP Sahara im Bolly-Tech-Rhythmus. Und spitzt auf SPEX.de schon vorab die Lippen für die Gleichstellung der Geschlechter.

Wenn das plakative Trash-Video der persischen Electronica-Künstlerin Maral Salmassi aka Kali, welches das Clip-Nirwana Youtube seit einigen Tagen um dreieinhalb wirklich sehenswerte Minuten bereichert, uns eine Botschaft vor den Latz knallt, dann: Mund aufmachen! Kali lächzt und stöhnt, ihre Stimme windet sich wie die Schlange im Korb und der Tropical-Trap-Beat spielt die Flöte, die das Reptil zum Tänzeln bringt. Eben jenes Kriechtier, das Herr A. und Frau E. zum saftigen Biss in die Frucht der Erkenntnis verführte, das bis in die letzte schillernde Schuppe mythologisch aufgeladen ist und als Piktogramm der Genesung auf jedem Apothekenschild prangt.

Seit 1997 ruft die in Teheran geborene Salmassi als Chefin des einstigen Kölner Technolabels Konsequent und Viper unter den arabischen Electro-Produzentinnen zur Selbstheilung auf. Mittlerweile in Berlin lebend, instrumentalisiert sie unter dem Alias Kali – einer hinduistischen Zwitter-Göttin mit Entscheidungsphobie, die sie beharrlich zwischen Zerstörungswut und Erneuerungsdrang hin und hertaumeln lässt – diverse elektroide Spielarten von Miami-Bass bis Bolly-Tech, um Frauen aus dem Geschlechterschatten zu lotsen. Dass Salmassi lieber in der prallen Aufmerksamkeits-Sonne schwitzt als sich im Testosteron-Halbdunkel einen abzuklappern, steht spätestens seit der Gründung ihres zweiten Labels mit erklärtem Gleichstellungsauftrag Television Rocks vor acht Jahren und dem Schulterschluss mit Chicks On Speeds Melissa Logan zum Female-Doppel Return of the Amazons in Speckstein gemeißelt. Seither setzt die Iranerin diverse Kollaborations-Häkchen auf der Gender-Kartei, machte zuletzt als das Mädchen von Die Boys und ein Girl, einem DJ-Projekt mit den Deichkindern Hayo Doin und Enno Sunshine, von sich Reden.

Das nächste Solo-Statement in der Agenda ‚dicke Lippe‘ wird am Freitag als Digital-Release via Television Rocks veröffentlicht. Es trägt den Titel Sahara und soll diesem und dem Video (unten) nach vor allem: einheizen. Neben Kalis eigener Crunky-Version des Dubstep-Folklore-Klons enthält die EP vier weitere Remixes der befreundeten Künstler R-ASH, Cobra Krames, Banginclude und EQ Why. Im surrealen 3D-Clip trippelt neben dem türkischen Bauchtänzer Zadiel ein Host spleeniger Protagonisten in Videospiel-Ästhetik durchs Bild, um die provokante Two-Step-Klangsynthese gebührend in Szene zu setzen.

Nachtrag: Müßig zu erwähnen, dass Schlangen nach erreichter Geschlechtsreife ihr Leben lang weiterwachsen. Beste Voraussetzunge für diese Frau also, ganz groß zu werden.

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