Entropa

David CernyZwei derart im Symbolischen agierende Institutionen wie Kunst und Politik vertragen sich selten gut. Aufregende und dabei auch noch wirksame politische Kunst zu finden, ist schon schwer genug. Von der Politik in Auftrag gegebene Kunst bleibt in fast allen Fällen »von der Politik in Auftrag gegebene Kunst«: Repräsentativ, an der Autorität des berühmten Künstlernamens haftend, mit diesen kleinen, »zum Nachdenken anregenden« Fragezeichen versehen.

     Mit »Entropa«, derzeit das Sujet der Kunstmeldungen von Presse-Agenturen, hat der 1967 in Prag geborene Künstler David Cerny hingegen einen wahren Prank vorgelegt. Die Installation ist vom EU-Vorsitz Tschechiens in Auftrag gegeben und am Montag, den 12. Januar in Brüssel – natürlich festlich – enthüllt worden. Die Konzeption entsprach gängigen Kriterien der Auftragskunst: ein Mosaik aus allen Ländern der EU, dessen Einzelteile von je einem Künstler oder einer Künstlerin aus allen Ländern der EU angefertigt werden sollte. Inzwischen hat Cerny sich dazu bekannt, die Installation im Alleingang gebaut zu haben.

     Lustiger noch: »Entropa« zeigt Deutschland als mit Autobahnen in der Anordnung, die einem Hakenkreuz nicht unähnlich ist. Schweden ist von einem Ikea-Karton eingepackt. Bulgarien ist ein Stehklo. »Entropa« ist zehn auf zehn Meter groß, und Cerny hatte während der Enthüllung sogar die angeblichen Biografien der 27 verschiedenen KünstlerInnen verteilen lassen. Entlarvend für die Meachnismen im Joint Venture aus Politik und Kunst ist vor allem die Argumentation Cernys, mit der er offensichtlich das Werk gegenüber seinem Auftraggeber durchbringen konnte: »We believe that the environment of Brussels is capable of ironic self-reflection, we believe in the sense of humour of European nations and their representatives.«

David Cerny: Entropa, Installation, 10×10 Meter, 2009

Abbildung: David Cerny, Umschlag des Kataloges »The Fucking Years – A True Story«, 2003

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