Empress Of „Us“ / Review

Cover: Empress Of „Us“

Gekonnt adressiert die in Los Angeles lebende Musikerin Empress Of mit dem neuen Album Us ihre Hörer_innenschaft. Über zwei Jahre feilte sie dabei am Sound, der ebenso tanzbar und affektiv wie innovativ klingen sollte. Und die Songs zeigen: Ziel erreicht.

Womenspreading ist bei Lorely Rodriguez mehr als Pose: Auf dem Cover ihres zweiten Albums Us sitzt die Musikerin, die hinter dem Projekt Empress Of steht, breitbeinig auf dem Boden. Ihr Blick ist selbstbewusst, das weiße Spitzenkleid konterkariert sie mit roten Shorts. Schon dieses Bild macht ihre Botschaft deutlich: Leg dich nicht mit mir an, ich weiß was ich tue! Ähnlich selbstbewusst ist das künstlerische Konzept ihres erneut in Eigenregie produzierten zweiten Albums Us: Rodriguez komponiert raffinierte Electro-Pop-Songs, die eingängig, aber nicht beliebig klingen.

Us suggeriert dabei keineswegs einen Fokus auf eine imaginierte Paarbeziehung, auch wenn sich Liebe, Lust und das Leiden am Verlust dieser beiden Dinge durch das Album ziehen. Vielmehr bezeichnet die Musikerin damit die Beziehung zwischen sich selbst und ihren Hörer_innen. Ihr Publikum soll sich in ihrer Arbeit spiegeln können. Und tatsächlich fällt es leicht, sich in vielen der Songs emotional einnehmen zu lassen. Vom Lykke-Li-haften „Just The Same“ etwa, oder vom melancholischen Synthie-Pop von „Love For Me“, in dem sie stimmlich an Rihanna erinnert und Episoden gescheiterter Zweisamkeit seziert: „Every time I think about you it’s a summer haze / Tripping over the shadows of the mess we made“. Im verhallt-sanften „Again“, mit dem das Album ruhig endet, klingt deutlich Rodriguez’ Bewunderung für Julee Cruise oder Elizabeth Fraser von den Cocteau Twins durch – auch gesanglich.

Leg dich nicht mit mir an, ich weiß was ich tue!

Zudem lässt Rodriguez auf Us subtil ihre lateinamerikanischen Wurzeln einfließen. In bilingualen Songs etwa, oder visuell im Video zur ersten Single „When I’m With Him“, bei dem Rodriguez selbst Regie führte. Darin inszeniert sie sich im Streetstyle aus rüschigem Tülltop und Sneakers inmitten einer Latina-Girl-Gang, die auf der Ladefläche eines Lieferwagens irgendwo im Osten ihrer Heimatstadt Los Angeles abhängen. Wenn sie hingegen die spanischen Passagen ihrer Songs singt, stehen diese in einem sinnlichen Kontrast zu den kühlen, treibenden Beats. Songwriting sei ein Muskel, den man stets trainieren müsse, sagte Rodriguez mal in einem Interview. Stärker als auf Us wirkte dieser selten.

Diese Albumkritik wird auch in SPEX No. 383 erscheinen. Das Heft ist ab dem 25. Oktober versandkostenfrei im Onlineshop bestellbar.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.