Elza Soares und The Ex beim Le Guess Who? Festival / SPEX präsentiert

Wie macht man Europas bestes Festival nochmal besser? Antworten gibt’s im November beim Le Guess Who? im niederländischen Utrecht. Das von SPEX präsentierte Line-up quillt ohnehin schon mit hochkarätigen Acts über, jetzt kommen auch noch die brasilianische Samba-Legende Elza Soares und eine besondere Performance der Belgier von The Ex dazu.

In diesem Jahr feiert das Le Guess Who? Festival sein zehnjähriges Bestehen und scheint zum Geburtstag so richtig auf den Putz hauen zu wollen. Anders lässt sich das Line-up des zwischen dem 10. und 13. November im niederländischen Utrecht stattfindenden Festivals kaum erklären: Suuns, Wilco, Julia Holter, Savages – und das sind lediglich die Künstler, die eigene Mini-Festivals kuratieren dürfen.

Nun setzen die Macher jedoch noch ein weiteres Ausrufezeichen, indem sie die belgischen Experimental-Frickler The Ex für zwei besondere Performances gewinnen konnten. Einerseits tritt die Gruppe zusammen mit der überbordenden Musik-und-Tanz-Kombo Fendika auf, die ihre äthiopischen Wurzeln mit einer gehörigen Portion Punk-Ethos verbinden und verlässlich auf die Kacke hauen.

Am Festival-Samstag schmeißen The Ex dann ein weiteres kleines Sub-Festival: Für eine dreistündige Impro-Session konnten sie einen All-Star-Cast äthiopischer und europäischer Musiker gewinnen, die mit verschiedensten Instrumenten, Stilen und Hintergründen für eine eklektische Erfahrung an der Schnittstelle zweier musikalischer Welten sorgen sollen.

Leider stiehlt eine echte Legende den Belgiern jedoch ein wenig die Show: Elza Soares, die „Grande Dame des Samba“. Die mittlerweile 79-Jährige ist seit gut sechzig Jahren Brasiliens lautstarke Stimme gegen Repression und Ungerechtigkeit jeglicher Form. Sie selbst weiß dabei, wo von sie spricht. Soares kommt aus ärmlichen Verhältnissen, heiratete mit zarten zwölf Jahren, wurde kurz darauf Mutter und verlor als Jugendliche drei Kinder an die damals in Brasilien grassierende Unterernährung.

Auch ihre musikalische Karriere verlief alles andere als geradlinig. Nach ersten Erfolgen in den Fünfzigern und einem vielbeachteten Auftritt an der Seite von Louis Armstrong anlässlich der Fußball-Weltmeisterschaft 1962 in Santiago de Chile starb vier Jahre darauf auch ihr zweiter Mann bei einem Autounfall. Soares griff zum Alkohol und sah dabei zu, wie sich ihre Karriere in Luft auflöste.

In den Achtzigern wurde die Sängerin wiederentdeckt und vor allem von der Disco-Szene in Rio gefeiert. Nachdem jedoch 1986 auch ihr Sohn aus zweiter Ehe starb, hängte sie die Musik vorläufig an den Nagel und setzte sich nach Europa und in die USA ab.

Erst 1997 tauchte Soares wieder auf und widmete sich seither wieder ganz der Liebe ihres Lebens, wie sie selbst sagte – der Musik. Nach einigen guten Veröffentlichungen brachte sie im vergangenen Jahr mit ihrem 34. Studioalbum A mulher do fim do mundo ein spätes Meisterwerk heraus. Auf dem mit jungen Musikern aus São Paulo tut sie in neuem Klanggewand das, was sie immer getan hat – und was aktuell wichtiger ist, denn je: sie besingt, beschreit, betrauert und beweint ein Brasilien jenseits von Palmenstränden und Piña Colada. Beim Le Guess Who? spielt die Königin des Samba eins ihrer raren Konzerte. Es könnte die letzte Möglichkeit sein, sie zu sehen.

 

 

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