Elliphant In the Jungle

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Schweinerei, diese Staatsmacht! Da führen zwei dick gerüstete, behelmte Polizisten doch tatsächlich einen unschuldigen, wehrlosen Jungen ab. Könnte man zumindest meinen. Aber nein, verkehrte Welt: Sie eskortieren ihn lediglich zu einem mit allerhand elektrischem Krimskrams zum Rave-Mobil umfunktionierten Einkaufswagen. Der mit einer goldenen Dollarzeichenkette behangene Jüngling lacht darin thronend diabolisch auf – Startschuss für den klackernd pumpenden Beat.

   Über diesem ausgesprochen gesäßfreundlichen Skweee-Electro-Bass-Verschnitt auf 125 BPM hören wir nun die 26-jährige Schwedin Ellinor Olovsdotter alias Elliphant. Laut eigener Aussage begann ihre Karriere in Goa, wo sie im Drogenrausch auf die Bühne fiel und das Mikrofon an sich riss. Die gerade spielende indische Band nahm sie anschließend mit auf Tour, ihr persönliches Update in Sachen globaler Bassmusik folgte bei einem Aufenthalt in London. Derweil ebneten Diplo, Daniel HaaksmanRadioclit etc. international den musikalischen Weg.

   So richtig verstehen kann man den Singsang Olovsdotters, die auf Promobildern wie ein Teenie aussieht und an anderer Stelle augenzwinkernd über Prostatamassagen rappt, nicht. Stattdessen funktioniert ihre Stimme als weiteres Puzzlestück des sich immer stärker gen Ekstase aufschaukelnden Songs. Im von Bill Schumacher, einem eher unbeschriebenen Werbefilmerblatt, gedrehten Video zieht der Konvoi des Nachts durch eine ungewöhnliche Menschenmenge. Freie Fahrt voraus, vorbei an maskierten Trommlern, alten Kiebitzen, silbernen Inlineskatern in Viererbobformation. Der Junge flippt dazu in seinem Wagen förmlich aus, Neonblitze zucken. Plötzlich Stress: Eine Gruppe Weihnachtsmänner will den feiernden Minianführer zu Fall bringen, die Polizisten greifen ein.

   Am Ende, nach einer von Strichhäschen umrahmten Tanzeinlage in einem Tunnel, wird der Protagonist vor einem wachenden Bluescreen-Tiger (wohl bei Lana Del Rey ausgeliehen) in den Jungle entlassen. Mogli klopft assoziativ an, die Augen richten sich auf die Uhr: Kommt da noch was? Immerhin ist das Lied ursprünglich fast doppelt so lang wie das zweiminütige Video.

   Da nichts passiert, bleibt Zeit für weitere Serviceleistung: Mit Tekkno Scene gibt es bereits ein zweites offizielles Elliphant-Video, in dem Olovsdotter selbst in ein Tigerkostüm schlüpft und ihr der schwedische Nachwuchsrapper Adam Kanyama zur Seite steht. Auch dieser Klangbastard ist nicht minder ansteckend. Wer in diesem Sommer also etwas erleben mag, darf sich ruhigen Gewissens an Elliphant wenden. Oder besser gleich betrunken eine Bühne stürmen.

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