Element of Crime „Schafe, Monster und Mäuse“ / Review

Element of Crime sind eine alte, eine altbekannte Band. Eine, die mit ihrem so schön verschrobenen Frontmann Sven Regener ebenso punkten kann wie mit garantiert lakonisch-humoristischen und dennoch tiefsinnigen Texten. So auch auf dem neuen und nunmehr schon vierzehnten Album Schafe, Monster und Mäuse. Das zwar keine großen Überraschungen, dafür aber erfrischenden Sarkasmus birgt.  

Nichts Neues in Westberlin. Jedenfalls nicht auf der gefühlt 35. Element-Of-Crime-Platte namens Schafe, Monster und Mäuse. Über zwölf Tracks streift da Sven Regener, schlechtgelauntester Flaneur seit Thomas Bernhard, zwischen Charlottenburg und Kreuzberg umher, genervt von den spießigen Nachbarn, dem wolkenlosen Sommer, den Sportfanatikern, Ökofuzzis und Orthorektikern: „Es ist das fehlende Ei / Das macht dich frei“. Und natürlich ist dieser Regener kein weißbärtiger Mann, der im Bordone-Saal seiner eigenen Arriviertheit verbittert über alle donnerwettert, sondern ein im eigentlichen Sinne Sinnierender, einer dieser personifizierten Widersprüche der Großstadt, die im Lärm die Ruhe suchen und in der Ruhe den Lärm.

Der schlechtgelaunteste Flaneur seit Thomas Bernhard.

Und bei diesem äußerlichen wie innerlichen Herumgeistern, da denkt dieses Ich an Frauen, über die zu träumen er vergessen hat, oder Exfrauen, die er mit neuem Macker trifft, oder an Karin, deren Charme an einen „Schlag auf den Hinterkopf / Mit einem stumpfen Gegenstand“ erinnert. „Wie etwa einem Tennispokal / Den jemand hinter einem Sportplatz fand“. Und wenn das nun alles ein wenig lapidar klingt, dann nur, weil die Besprechung dieser Platte naturgemäß erinnert an etwa die Besprechung einer Novelle von Thomas Bernhard. Da gibt es diese spezifische Handschrift, die immer gleich ist und die man mag oder eben nicht. Und wer sie mag, der wird auch Schafe, Monster und Mäuse mögen, diesen musikalischen Hybriden aus Chanson, Folk und Country-Rock. So sicher wie der Schachtelsatz in Bernhards Der Stimmenimitator.

Nichts zu diskutierten gibt es hingegen bei der textlichen Qualität. Wer Sätze von solch prosaischem Tiefsinn schreibt, wie „Wo die Luft am schlimmsten ist / Ist das Atmen attraktiver und das Husten intensiver / Als irgendsonstwo auf der Welt“. Oder mit einer fast kindlichen Bildverliebtheit den Regen am Ende des Regenbogens einen Zahn zulegen lässt, der ist über jede Hermeneutik erhaben. Dieses lyrische Ich Sven Regeners ist sowieso eine abgeschlossene Kunstfigur, und überhaupt sollte man Element Of Crime, eine Band, die so lange so konstant lieferte, nicht mehr genealogisch oder biografisch denken. Sondern enzyklopädisch.

Diese Albumkritik wird auch in SPEX No. 383 erscheinen. Das Heft ist ab dem 25. Oktober versandkostenfrei im Onlineshop bestellbar.

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