Elektrons

Immer schwierig: Einen Club übersetzen in die Sprache der Schallplatte. Meist wird dann eh eine Compilation mit den Greatest Hits der beliebten DJs draus, und dann wird das Ding entweder zum totalen Selbstläufer oder nach der ersten Runde ist´s aus. Noch schwieriger allerdings machen es sich solche Leute wie die Elektrons. Sie gehören zu jenen Mutigen, die sich als DJs ins Todesland der Produktion wagen. Der historische Fall Grooverider sollte uns als ewige Mahnung in Erinnerung bleiben. Was war der für ein DJ.  Und was waren das für grausige Platten.

    Ja, wenigstens werden die Elektrons Luke Cowdrey und Justin Crawford für ihren Versuch belohnt. Als Unabombers bringt das Duo jeden letzten Freitag im Monat die Music Box zu Manchester ins Schwitzen. In ihrem Electric Chair laufen Underground Resistance und Beyoncé, denn da unten im Keller geht es vornhemlich um den Bump!. Wenn sie auch unter diversen Pseudonymen wie U.B.s oder Electric Soul Orchestra schon ein paar Edits und Remixes veröffentlicht haben, ein Wurf wie »Red Light, Don´t Stop« war gewiss nicht zu erwarten: Ein Dance-Pop-Ding in latenter Northern Soul-Tradition.

    Es wimmelt vor Anthems auf diesem Album. Schon »Get Up« ganz am Anfang bringt in  ziemlich merkwürdiger Weise Hinterwackel-Funk, die Soul II Soul-Drums von Anfang der Neunziger Jahre (auch bekannt als »Der-Beat-schon-wieder«) und einen Rap von Jurassic 5-MC Soup zusammen. Mit »Dirty Basement« folgt gleich der erste große Hit. Klingt in etwa wie mit Samt überzogene Basement Jaxx. Hinterher läuft das melodieliebende Monster auf seinen tausend Rhythmusbeinen dann einfach weiter. »Stop, Hold It« kommt auf einem swingenden HipHop-Beat mit leicht angezicktem R&B-Gesang, während sich das von der immer so wundervollen Mpho Skeef gevoicete »Classic Cliché« als wahrer Gottessohn von Neo-Disco entpuppt. Am Ende sorgt eine Disco-House-Phase für einen würdigen Abschluss. Ok, so ein, zwei Stücke lassen die Frage aufkommen, ob sich nicht vielleicht zwei EPs als Format geeignet hätten. Wäre dann aber eher so spießiges Journaille-Gekrittel. Auf nach Manchester.

LABEL: Wall Of Sound

VERTRIEB: PIAS

VÖ: 07.09.2007

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.