Electric President

Er habe eine Platte machen wollen, »die so produziert ist, dass sie klingt, als sei nichts wirklich geerdet«. So wird Ben Cooper im Platteninfo zum neuen, zweiten ElectricPresident-Album »Sleep Well« zitiert. Cooper und sein Bandkollege Alex Kane haben diese Idee hervorragend umgesetzt. Vielleicht liegt es an den Produktionsbedingungen in einem Werkzeugschuppen in Jacksonville Beach, Florida, und am Rauschen des nahen Ozeans, jedenfalls bleibt »Sleep Well« auch nach wiederholtem Hören merkwürdig wenig greifbar.

    Dabei ist es ein komplettes Popalbum, dem es an kaum etwas fehlt. Wie zum Beispiel im ersten Stück »Monsters« ein Pluckern eröffnet, die Stimme einsetzt, ein Beat sich ausprobiert und sich erst im Refrain der richtige Rhythmus findet; wie mal Streicher, mal Vogelgezwitscher gesampelt werden; wie die Balance gehalten wird zwischen Elektronika und Gitarren; wie die Musik immer wieder abdriftet und in einem Setting wieder auftaucht, etwa im schwelgenden »Graves And The Infinite Arm«, wenn sich Piano- und Gitarrespiel in der Mitte des Lieds selbst unterbrechen, um dann mit einer anderen Melodie die Herzen zu öffnen: das alles zeugt von einem tiefen Verständnis von Pop. Zusätzlich zu den häufigen Breaks in den Stücken selbst streuen Electric President dazwischen Interludes, was den Eindruck des Vorüberziehenden nur noch verstärkt.

Electric President – Sleep Well (Morr Music / Indigo)

    Man mag die Wirkung von »Sleep Well« mit der von »The Devil, You + Me« von The Notwist vergleichen. Auch das Electric-President-Album schleicht sich auf leisen Pfoten in die Gehörgänge. Cooper und Kane wollten eine »Nachtplatte« mit »zwölf Liedern über Träume und Albträume« aufnehmen. Es ist ihnen gelungen. So wie man einen Traum in wachem Zustand kaum zu packen bekommt, so klingt »Sleep Well«: ätherisch, zerbrechlich, traumwandlerisch leicht.

LABEL: Morr Music

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 06.06.2008

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