Eleanor Friedberger „Rebound“ / Review

Der Folk ist verschwunden. Rebound kommt in den Achtzigern an, Eleanor Friedbergers Liveband weicht für Drumcomputer und Synthesizer.

2004, als es gerade en vogue war, auf Nummer sicher zu gehen und wahlweise das New York oder das Manchester der Siebziger ins neue Jahrtausend zu holen, veröffentlichten The Fiery Furnaces mit Blueberry Boat ein Album, das mehr Genrewechsel als Songs enthielt. Es löste Begeisterung, Entsetzen und nichts dazwischen aus. Beim Nachfolger Rehearsing My Choir schienen dann alle im gleichen Boot zu sitzen: Eleanor Friedberger und ihr Bruder Matthew ließen ihre griechischstämmige Großmutter Geschichten aus einem bewegten Leben erzählen, die Enkel lieferten den Soundtrack und überforderten damit offenbar jeden. Die Platte floppte.

Friedbergers Melancholie ist so gar nicht Eighties, sondern subtil.

Inzwischen liegt die Band auf Eis, und Eleanor Friedberger hat seit 2011 drei Soloalben herausgebracht, die mit dem Folkrock der Post-Beatles-Jahre doch noch ein Siebziger-Genre gefunden haben, dessen Geschichte die Künstlerin fortschreiben will. Nun aber stellt ihre vierte Platte Rebound die erste Umorientierung in Friedbergers Solokarriere dar, denn der Folk ist verschwunden. Rebound kommt in den Achtzigern an, die Liveband weicht für Drumcomputer und Synthesizer. Ein Blick aufs Cover verrät den Rest: Barfuß und auf Zehenspitzen lehnt Friedberger an einer griechischen Vase. Diesmal erzählt nicht ihre Großmutter Geschichten aus dem Griechenland der Vergangenheit, sondern die Sängerin selbst welche aus dem Athen der Gegenwart.

Die neuen Songs nämlich sind von den krisengeprüften Straßen der Stadt inspiriert. Friedberger bastelt daraus keine politischen Manifeste, sondern kleine persönliche Geschichten. Insofern bleibt vieles beim Alten, denn die Schwermut ihrer Songs kommuniziert sie so leichtfüßig, wie sie sich auf dem Cover gibt. Friedbergers Melancholie ist so gar nicht Eighties, sondern subtil. „The sky is heavy on my shoulders but alright“ singt sie in „In Between Stars“. Unbeeindruckt von der Tatsache, dass es kaum etwas Schwereres gibt, was ein Mensch zu tragen haben könnte.

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