Elbow The Seldom Seen Kid

Emotionalität, Euphorie, Eloquenz, Energie, Eigenständigkeit und Eleganz sind Eigenschaften, die Elbow zu etwas ganz Eigenem machen. Welche andere Band schwankt denn ähnlich schön zwischen Zuversicht und Melancholie, zwischen Trost und Schmerz?

    Die fünf Musiker aus Manchester haben »The Seldom Seen Kid« dem befreundeten, 2006 verstorbenen Songwriter Bryan Glancy gewidmet. Der Titel bezieht sich direkt auf Glancy, ebenso die erste Single-Auskopplung »Grounds For Divorce« und das stille Schlusstück »Friends Of Ours« mit den Zeilen »Never very good at goodbyes« und »Love you mate«. Und doch wird niemand traurig sein, nachdem er diese Platte gehört hat.

    Elbow eröffnen ihr viertes Album mit dem verblüffenden »Starlings«, das auf leise Drumpatterns und Pluckersounds baut, um nicht mehr als fünf mal drei Sekunden lang die Schleusen zu öffnen für einen abrupten Ausbruch in Orchesterstärke. Elbow sind zu schlau, um in der Dramaturgie über die Stränge zu schlagen, und so finden auch die übrigen Stücke scheinbar mühe- und schwerelos den Pfad, der zwischen peinlichen Rockgesten und überinstrumentiertem Pop verläuft. Während die Musik mit Streichern schwelgt, erdet das ruhige Schlagzeug und lässt Raum für das heisere Falsett Guy Garveys. Wie Thom Yorkes Stimme trägt auch Garveys Gesang tiefe Melancholie in sich, zugleich sehr viel Kraft. Wie er sich einen ganzen Baukran hochhangelt, um »The Loneliness Of A Tower Crane Driver« zu besingen. Und wie er in »Some Riot« und »One Day Like This« die Emphase der Musik begleitet – oder begleitet diese ihn?

    Es ist nicht einfach, ein Album über Trinken, Verlust, Einsamkeit, Melancholie, über erwachsenes Leben trotz großer Geste leicht zu gestalten. Elbow ist es schon wieder gelungen.

LABEL: Fiction

VERTRIEB: Universal Music

VÖ: 25.04.2008

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