Einige knappe redaktionelle Empfehlungen zum Reeperbahn-Festival in Hamburg

Reeperbahn-Festival HamburgUrbane Festivals bringen einen entscheidenden Nachteil mit sich: so schön es auch ist, in verschiedenen Clubs feiern zu können, nicht im Regen bzw. der Kälte zu stehen und bestenfalls eine kurze Anreise von der eigenen Wohnung zu haben, so bringen sie die Festivalgänger doch regelmäßig ins Schwitzen ob der Frage, »wo soll ich wann sein, um noch eingelassen zu werden?«. Auch das von Donnerstag bis Samstag laufende Hamburger Reeperbahn-Festival stellt diesbezüglich keine Ausnahme dar. Daher möchten wir im Folgenden einen Überblick über das Programm geben:
Der Donnerstag ist noch recht überschaubar: K.I.Z. sind sicherlich sehenswert, allerdings so oft in Deutschland unterwegs, dass man ihre Show um 22:10 Uhr im Mandarin Kasino einmal auslassen könnte. Die freigewordene Zeit kann man dann im Imperial Theater totschlagen: dort spielt um 20:30 der Hamburger Songwriter finn., zwei Stunden später treten dort Seabear mit »minimalistische, zeitlose und gleichzeitig messerscharf akzentuierte Popsongs« auf. Raven kann man dazu freilich nicht: zu ruhig, zu intim. Dafür müsste man gegen 22:00 Uhr schon im Neidclub sein um die Elektronikfraktion MIT sowie die später spielenden Crystal Castles zu sehen. Wem das alles schon zuviel ist, der sollte sich einfach an den Tresen der Prinzenbar klemmen und das Set des begnadeten Songwriters Kristof Schreuf anhören, danach in Tränen ausbrechen und Kristof glücklich angetrunken beichten, wie fabelhaft seine Texte sind.

Wer Freitags einmal in der Großen Freiheit 36 ist, der muss kaum noch einmal nach draußen – höchstens zum Rauchen. PeterLicht, Get Well Soon und Portugal. The Man geben sich dort das Klinkenkabel in die Hand, wer mit dem Girly-Pop von Sugarplum Fairy nichts anfangen kann, der findet ab kurz nach zehn im Molotow mit dem Club NME das Trendradar-Indie-Disco-Set des Wochenendes. Die wirklich interessanten Shows finden allerdings zu unterschiedlichen Uhrzeiten in verschiedenen Clubs statt: Foals am frühen Abend im Grünspan, eine halbe Stunde später schon Angus & Julia Stone im Imperial Theater, schlussendlich der brillante, vollbärtige Texter Bon Iver und Band, er spielt um kurz nach Mitternacht im Knust. Wer nach dieser Show noch steht will entweder die Welt erobern oder den eigenen Schwermut in Absinth ertränken – beides hat so seine Vorzüge.

Samstags stellt sich noch die Frage, welches Konzertpaket man persönlich am Interessantesten findet: sei es die Große Freiheit mit TV On The Radio samt neuer Platte und den darauffolgenden, legendären Lemonheads. Oder aber die im Knust spielenden Constantines, Gravenhurst, Ane Brun und Maria Taylor. Oder Kindergeburtstagspopmusik mit Lykke Li und I’m From Barcelona im Uebel & Gefährlich – jeder Konzertsaal verspricht beste Unterhaltung. Wie immer gilt aber auch: abseits der großen Namen werden die Entdeckungen gemacht! In Angie’s Nightclub spielt das 50s-Rock-Outfit Kitty, Daisy & Lewis, in der Prinzenbar treten die Genrebender Wildbirds & Peacedrums auf und im Kaiserkeller kracht Trashpop von Bonaparte aus den Boxen.

Für alle Tage gilt: der Besuch der Bandposter-Ausstellung »Flatstock« ist nicht nur kostenlos, sondern wird auch schön vor Augen führen, wie traurig viele deutsche Tourplakate gestaltet sind und wieviel Arbeit in diesen Kleinstauflagen steckt. Schlussendlich: Wer uns bei all den Empfehlungen nicht ganz traut, der kann hier auch den gesamten Spielplan einsehen und hier auf den eigenen Bedarf zugeschnittene Tickets einkaufen.

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