Einige Anmerkungen zur neuen Coldplay-Single »Violet Hill«

Coldplay Violet HillColdplay haben gestern ihre neue Single »Violet Hill« als kostenlosen MP3-Download veröffentlicht, der nächsten Ausgabe des NME liegt eine exklusive 7"-Version des Songs bei (einschließlich der B-Seite »A Spell A Rebel Yell«), das von Brian Eno und Markus Dravs produzierte, neue Coldplay-Album »Viva La Vida Or Death And All His Friends« soll am 13. Juni bei EMI erscheinen, yadda yadda yadda.

Es ist interessant zu sehen, wie sensibilisiert man als Internet-Nutzer mittlerweile ist. Seitdem Radiohead Ende 2007 ihr gesamtes Album »In Rainbows« zum freien Download bzw. mit offenem Bezahlmodell zur Verfügung stellten, gelten sie als Speerspitze einer Bewegung, die so neu längst nicht mehr ist. Sicherlich: es war ein Scoop einer derart bekannten Band wie Radiohead, die eigene Musik zunächst auf ein Marketingtool zu reduzieren. Aber die ersten waren sie damit keinesfalls. Nun also sollen Coldplay ebenfalls »einen Radiohead« gemacht haben – dabei verschenken sie lediglich eine einzelne MP3 ihres neuen Albums.

Das mag bei Major-Bands ungewöhnlich sein – in der Regel beschränken sich die großen Plattenfirmen beim Online-Marketing auf Musikvideos, Song-Snippets und Streamingformate – im Falle von Coldplays Plattenfirma EMI Music ist dies aber eigentlich anders. Ob Goldfrapp, Róisín Murphy, Hercules And Love Affair oder Hot Chip: jede der jüngsten »Indie«-Veröffentlichungen bei EMI wurde bisher mit einem kostenlosen MP3-Download beworben (Beispiel). Spektakulär? Keineswegs! Und wieso also nicht auch bei Coldplay? Wir bitten um mehr Versachlichung: das vierte Album der Band um Chris Martin wird ganz regulär über Plattenläden bzw. Online-Distributoren verkauft.

Zur Single:
»Violet Hill« eröffnet das Album, womit sich schnell das exakt vierzigsekündige Ambient-Drone-Intro erklären lässt. Man kann dabei an »2/1« von Brian Eno (»Ambient 1: Music For Airports«) denken (was durch ihn als Produzenten nicht abwegig erscheinen mag), an die ruhigen Exkurse von David Sylvian oder Boards Of Canada. Auf dem Höhepunkt des Intros setzt Martin ein, singt – von mehreren Klavieranschlägen begleitet – »Was alone in dark december / from the rooftops I remember / there was snow, white snow«. An der Stelle grätscht kurz eine laute, stark verzerrte Gitarre herein, das Schlagzeug und Streicherarrangements rahmen den Gesang ein, bis der im Falsett gesungene Refrain samt Backingvocals einsetzt: »If you love me / won’t you let me know?«. Der Song ist kein Uptempo-Stück, erinnert vom Aufbau her stark an »Politik« (aus »Parachutes A Rush Of Blood…«), die Gitarrenläufe könnten aber auch gut in einem jüngeren Kaiser Chiefs-Stück funktionieren. Die Produktion klingt satt, der Sound ist druckvoll, das dazugehörige Cover-Artwork erinnert an Pop Art. Solide, lässt sich sicherlich verkaufen.

Das Stück kann man noch bis kommenden Dienstag, den 06. Juni, nach Angabe einer Email-Adresse als kostenlose MP3 herunterladen.


STREAM: Coldplay – Violet Hill

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