Ein Quantum Proust

Die neue Spex #320 ist ab dem 17. April am Kiosk erhältlich. Max Dax gibt im Editorial einen Überblick über die Themen der aktuellen Ausgabe.

Emma peel Editorial Spex #320
Emma Peel rettet in »The Avengers« die Welt – in Spex ab Seite 120

Liebe Leserinnen und Leser,

    Helden der Americana, wollt ihr ewig leben? Nach William Eggleston in der letzten Ausgabe von Spex widmen wir uns in diesem Heft ausführlich Donald Duck und Bob Dylan. Donald ist acht Jahre älter als Bob. Während wir bei Donald (siehe Klaus Theweleits Geburtstagslaudatio) das Gefühl haben, er sei schon immer da gewesen und ein Relikt der Vergangenheit, ist Dylan heute produktiver denn je. Zum Zeitpunkt der Druckabgabe zieht der Sänger im 21. Jahr seiner sogenannten, in Deutschland von Spex präsentierten, ›Never Ending Tour‹ durch Europa, zaubert noch nie live aufgeführte Songs aus dem Hut, veröffentlicht am 24. April mit »Together Through Life« ein Sommeralbum – derweil jeden Mittwoch Abend eine neue Folge seiner Radio Show über Satellit gesendet wird. Es ist Dylans Modernität, die uns fasziniert, der Sänger erscheint wie ein Brennglas: Die in der Spex-Reihe »Digitale Evolution« geführte Debatte über das Urheberrecht im Download-Zeitalter bekommt in Peter Kempers Artikel über Dylan einen neuen, verblüffend nachvollziehbaren Spin. Begriffe wie Tradition, Aneignung, Imaging, Überschreibung, Erinnerung, Zeit, Beschleunigung und Abbremsung sind die Schlüsselwörter zum »System Bob Dylan«, wie unser 17-seitiges Special über den Sänger betitelt ist. Richard Klein, Diedrich Diederichsen, Greil Marcus, Johanna Dombois und Klaus Theweleit sind die Autoren, bebildert ist der Artikel mit seltenen Fotografien von Barry Feinstein, der Dylan 1966 auf seiner Welttournee begleitete. Um Nachsicht bitten wir Heinrich Detering, den Autoren der wichtigsten, bei Reclam erschienenen deutschsprachigen Dylan-Biografie: Sein Artikel, der auf spex.de veröffentlicht ist, fiel leider in dieser Ausgabe einer technisch bedingten Kürzung zum Opfer.

    Alles neu macht der Mai: Zum ersten Mal, seit Spex in Berlin erscheint, gehen wir selbst unter die Veranstalter. Save the date: Am 20. Mai werden auf dem »Spex Live«-Festival im Berghain die aus Paris stammenden Phoenix ihr fantastisches neues Album »Wolfgang Amadeus Phoenix« vorstellen (siehe unsere Titelgeschichte). Weitere Live-Auftritte sind mit Phantom Ghost und Little Boots bestätigt. Als DJs mit von der Partie: Ricardo Villalobos, DJ Hell mit einem seiner ultrararen Reggae-Sets (siehe auch: Platte der Ausgabe, Will Bankhead vom Londoner Label Honest Jon’s, sowie Lawrence, Ben Klock, Jennifer Cardini, Miss Fitz, die Pet Shop Bears und last but not least der Spex- und Suhrkamp-Autor Tobias Rapp. Der Vorverkauf läuft, das Ticketkontingent ist limitiert, der frühe Vogel fängt den Wurm.

Spex #320
Die neue Ausgabe Spex #320, ab dem 17. April 2009 am Kiosk erhältlich.

    Ein weiterer Hinweis in eigener Sache sei gestattet: Wir erleben derzeit einen regelrechten Run auf unsere Ein- und Zweijahres-Abonnements. Es scheint sich herumzusprechen, dass Abonnenten Spex in der Regel eine Woche vor dem Erstverkaufstag am Kiosk im Briefkasten haben – und das bei einem Jahrespreis von gerade einmal 28 Euro bzw. einem Zweijahrespreis von 55 Euro. Besonderes Augenmerk möchten wir auf eine außergewöhnliche Abo-Prämie lenken. Die Hamburger Schneiderei Herr von Eden hat in einer streng limitierten Sonderauflage ein Polohemd für Zweijahres-Neuabonnenten der Spex entworfen. Auf die Brusttasche sind im Schriftdesign des Labels die Worte »Herr von Spex« eingestickt. Noch nie war es so einfach, sich über seinen Zeitschriftengeschmack zu distinguieren.

    Und noch ein Hinweis in eigener Sache, wenn wir schon mal dabei sind: Martin Hossbach, unser Chef vom Dienst, stellt Ausgabe für Ausgabe die Spex-CD zusammen. Auf dieser versucht er die größtmögliche Bandbreite der im jeweiligen Heft besprochenen Themen abzubilden. Oft gibt es auch exklusive Tracks oder Erstveröffentlichungen. Dieses Mal ist Martin Hossbach die CD besonders gut gelungen, mit drei Songs von DJ Hell, Phantom Ghost und Phoenix gibt sie zudem einen akustischen Vorgeschmack auf das Festival im Berghain.

    Ansonsten bleibt festzuhalten, dass wir auch mit dieser Spex die Öffnung zum Interdisziplinären in jeder Hinsicht forcieren. Im Modeinterview spricht der britische Fotograf Nick Knight mit Jan Kedves darüber, dass er die Modefotografi e für überholt hält und propagiert das Video als neues Medium. Christoph Twickel interviewt Rocko Schamoni über sein Selbstverständnis als Schriftsteller – anläßlich des Filmstarts der Bestseller-Verfilmung von Schamonis »Dorfpunks«. Und ich hatte die Ehre, mit dem Turner-Preisträger Steve McQueen in Amsterdam über dessen erweiterten Kunstbegriff sprechen zu dürfen – der Künstler drehte mit »Hunger« unlängst einen beklemmenden Spielfilm.

    Max Dax

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