Editors The Back Room

Die Diskussionen, die das Debütalbum der Editors auslösen wird, sind nicht schwer vorherzusagen: Man wird die Band mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit eine Kopie nennen, vielleicht sogar eine Kopie einer Kopie. Sie werden den alten Glaubenskampf anstacheln zwischen denen, die dem Original einen ewig währenden Solitärstatus wünschen, und denjenigen, denen das sorgfältige Replikat (fast) ebenso viel gilt. Authentizität und Epigonentum, Hype und Haircuts sind die Schlagworte, die getippt und gebrüllt werden könnten – nicht in irgendeinem neuen Zusammenhang, sondern gestimmt nach der ewig alten Leier. Und alle werden irgendwie Recht haben, denn die Editors sind sowohl Wiedergänger von Joy Division als auch Fortsatz, Parallele und britisches Spiegelbild von Interpol. Oder besser: Sie stehen auf dem blinden Fleck zwischen beiden genannten Bands – wo irgendetwas fehlte, übersprungen wurde, was Interpols meistbeackerte Referenz ganz und gar plausibel gemacht hätte.
    So starr die Editors auch an diesem bislang unbevölkerten Ort verharren – »The Back Room« strotzt nicht gerade vor wilder Ideendynamik -, innerhalb ihres Sounds geben sie sich weniger statisch, als es Interpol auf »Antics« taten; weniger monolithisch, leichtgewichtiger, mit mehr Spitzen versehen, während für die Worte das Gegenteil gilt. In den Refrains spinnt sich der Gesang in enge Kokons aus mantraartigen Slogans. Die düstere Einsamkeit auf »The Back Room«, die in Songs von unangreifbarer Hitqualität wie dem verdammt bezirzenden Opener-Dreigestirn »Lights«/»Munich«/»Blood« steckt, ist eine geschickte Simulation. Hier regiert lediglich die Einsamkeit, die man spürt, wenn man auf der Tanzfläche für einen Moment die Augen schließt, nicht die, die von einer rätselhaften Welt ausgelöst wird. Und eigentlich gehört »The Back Room« auch genau dorthin: in die Disco.

LABEL: Kitchenware / PIAS

VERTRIEB: RTD

VÖ: 18.07.2005

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