Warme Synthesizer-Arpeggien eröffnen das neue Editors-Album, dazu singt Tom Smith »London’s become the most beautiful thing I’ve seen«, während sich der Kern des Stücks langsam mit sanften Klavieranschlägen und sich steigerndem Bassspiel dem Gipfel nähert. Nach drei Minuten dann ein hartes Break, die Gitarre wird laut und verzerrt gespielt, das Schlagzeug nimmt plötzlich viel Raum ein, dazu wieder ein lautes, dominantes Synthie-Motiv. Das gleichbetitelte Eröffnungsstück macht klar, dass sich die Editors mit ihrem dritten Album »In This Light And On This Evening« deutlich weiterentwickelt haben.

    Das folgende »Bricks And Mortar« beginnt mit einem Beat aus dem Drumcomputer, im ersten Drittel des Songs erinnert das spährische Keyboardspiel stark an die markante Melodie und den Basslauf von Joy Divisions »Transmission«, gegen Mitte setzt choraler Gesang aus dem Off ein. Aber genug der ewigen Joy Division-Vergleiche: mit diesem Album muss man neue, modernere Referenzen suchen. Schließlich folgt mit der ersten Single »Papillon« gleich eine enorme Rave-Referenz, schließlich klingt das Album enorm elektronisch, schließlich bricht die Band aus Birmingham aus ihrem bisher recht starren Muster aus – Pathos jedenfalls wird hier schwächer dosiert. Auffallend ist auch die Länge der einzelnen Stücke: bis auf das äußerst hymnische, von Summen begleitete Schlussstück »Walk the Fleet Road« sind alle Stücke länger als vier Minuten, »Bricks and Mortar« wird sogar auf sechseinhalb Minuten gedehnt. Ebenfalls neu: die Stücke reklamieren weniger Abfahrt als je zuvor für sich. Wenigher Aufregung, weniger Indiedisco-Floor-Gerangel, weniger ›Däng-Däng‹, mehr Substanz. Abgesehen von dem mit verzerrter Orgel, verzerrtem Synthie und gar nicht verzerrten Streicher-Arrangements ausgestatteten »You Don’t Love« und der Manchester-Rave-Single »Papillon« drängen sich nach den ersten drei Durchläufen keine deutlich erkennbaren Hits auf.

    Gut möglich, dass die neue, sehr interessante musikalische Zerissenheit der Editors auch darin begründet liegt, dass Gitarrist Chris Urbanowicz und Bassist Russell Leech nun in New York leben und die musikalischen Einflüsse jener Stadt – trotz der Eingangs erwähnten Liebeserklärung an London – in das Sounddesign der Editors eingeflossen sind. Vielleicht liegt es aber auch an der Wahl des Produzenten Mark »Flood« Ellis liegen, der früher die Karrieren von U2, Nick Cave and the Bad Seeds, Nine Inch Nails, Erasure, The Killers, Sigur Rós und vielen anderen erfolgreich musikalisch aufpoliert hat.

    »In This Light And On This Evening« erscheint am 9. Oktober bei Pias, erste Eindrücke der neuen Stücke – abseits des unten verlinkten kurzen Album-Teasers – kann man sich Ende September machen: neben vielen anderen Bands und Künstlern wie Dananananaykroyd, Girls, Au Revoir Simone, Simone White, Emiliana Torrini, Michael J. Sheehy & The Hired Mourners, Dinosaur Jr. und Phantom Ghost spielen die Editors am 26.09. ein Showcase im Rahmen des Hamburger Reeperbahnfestivals. See you down the line!


STREAMEditors News from the Studio

Editors – In This Light And On This Evening:
1. In This Light And On This Evening
2. Bricks And Mortar
3. Papillon
4. You Don’t Know Love
5. The Big Exit
6. The Boxer
7. Like Treasure
8. Eat Raw Meat = Blood Drool
9. Walk the Fleet Road

Editors Live:
26.09. Hamburg – Reeperbahnfestival