Editorial Spex #334

editorial-334-melancholiaKirsten Dunst als elektrisierte Justine in Lars von Triers Melancholia

    Liebe Leserinnen, liebe Leser,

    würden wir hier bei Spex zu Verallgemeinerungen neigen, müssten wir sagen: Die Dänen haben uns während der Produktion dieses Heftes ganz schön auf Trab gehalten!

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    Es fing an mit LARS VON TRIER. Wie naiv mussten wir sein zu glauben, ein Interview mit dem dänischen Regisseur könne schon kein Problem sein, sobald man seinem deutschen Verleih gegenüber andeutet, zu von Triers neuem Film Melancholia eine Titelgeschichte zu planen. Zunächst hieß es, Trier, der im Mai beim Filmfestival in Cannes bekanntlich zur Persona non grata erklärt wurde, sei nicht erreichbar. Einige Tage später: Er schreibe irgendwo im Wald an seinem neuen Drehbuch. Man bat um Geduld. Wieder zwei Wochen später: Lars von Trier wolle wissen, ob Spex plane, ihn in einen neuen »Nazi-Skandal« zu verwickeln? Schließlich richtete Udo Kier seiner 18-jährigen Patentochter Agnes Trier bei einem gemeinsamen Essen in Los Angeles Grüße von den Spex-Leuten in Berlin aus – wie lang denn der Urlaub ihres Vaters noch…? Am Tag unserer Drucklegung klappte es dann plötzlich: Lars von Trier setzte sich in Kopenhagen vor seine Skype-Kamera und sprach mit uns über sein F-U-C-K-Tattoo, die überraschend weite Verbreitung des Masochismus und seinen dänischen Humor, der sich, wie er inzwischen erkannt habe, »für das Verreisen nicht sehr eigne«.

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    Weiter ging es mit Sergej Jensen, ebenfalls Däne. Der in Berlin lebende Maler, der im Frühjahr für seine erste große US-Einzelschau im New Yorker MoMA PS1 überall gefeiert wurde, gilt als ausgesprochen öffentlichkeitsscheu. Sicher, es gab hier und da in Kunstmagazinen kurze Questionnaires, von ihm per E-Mail beantwortet. Und wer lange genug durchs Netz surft, wird irgendwann auf ein Video stoßen, gedreht in Aspen, Colorado, wo Jensen die Fragen der Chefkuratorin des Aspen Art Museum beantwortet – was ihm sichtbar unangenehm ist. Jetzt hat sich der Maler ein »individuelles Belastungsjahr« vorgenommen, in dem er Dinge ausprobiert, die er sonst nicht tut – und so können wir mit einigem Stolz sagen: Das erste ausführliche gedruckte Interview mit ihm erscheint in dieser Spex. Aram Lintzel führte es mit Jensen über drei aufeinander folgende Treffen, und wer es liest, merkt: Nicht jeder Künstler ist einverstanden mit dem Imperativ, gleichzeitig ein geborener Selbstdarsteller zu sein, und nicht hinter jeder beachtlichen Kunstkarriere steckt ein großer Masterplan.

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    Wie unkompliziert im Vergleich zu all dem war doch die Terminierung der vier neuen Spex-Live-Events! Die Idee, unsere 2009 im Berliner Berghain gestartete Konzertreihe fortzuführen, diesmal in kleineren Locations, mit Acts, die in Deutschland noch nicht sehr bekannt sind, stieß bei den Bookern der Düsseldorfer Konzertagentur SSC auf Begeisterung. Im September werden nun unter dem Spex-Banner in Hamburg, Berlin, Köln und München Bands und Künstler wie Sparrow And The Workshop und Ali Love auftreten. Wir freuen uns über zahlreiches Erscheinen – und wünschen bis dahin viel Spaß mit dieser Ausgabe.

    Beste Grüße aus der Redaktion

3 KOMMENTARE

  1. Hallo Bildredaktion des Artikels “Sein Traum wird wahr” Melancholia. : Ist es Zufall, oder bin ich zu spitzfindig, wenn ich feststelle, dass Lars von Trier auf dem Foto auf Seite 43 ein rotes Lacoste T-Shirt trägt. Grüsse von Harry.

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