Editorial Spex #332

    Liebe Leserinnen, liebe Leser,

    »Versteckspieler«, »The greatest singer without a voice«, »Werbestar für Victoria’s Secret und Cadillac Escalade«, »Cate Blanchett«, »›How does it feeeel?‹«, »Verdammt, warum habe ich eigentlich seine ganzen Platten verkauft?«

    Eine redaktionsinterne Umfrage zum Thema »Spontane Assoziationen zu Bob Dylan« ergab einmal mehr: Das System Bob Dylan (siehe Spex #320) weist in seiner Komplexität weit über das Bild vom jungen, gegen das Weltleiden aufspielenden Mann mit der Gitarre hinaus. In fast jeder Spex wird der Mann aus Duluth, Minnesota aus unterschiedlichsten Blickwinkeln zitiert, in diesem Heft etwa im Vorspiel für Tobias Levin. Dass er nun – zum zweiten Mal in ihrer Geschichte – auf dem Cover der Spex zu sehen ist, hat allerdings weniger mit Dylan selbst und seinem 70. Geburtstag am 24. Mai zu tun. Es geht uns um seine nach wie vor populärste Rolle, die des prototypischen Protestsängers: Unser Cover-Foto wurde 1963 vom legendären Fotografen Don Hunstein aufgenommen, in dem Jahr, in dem Blowin’ in the Wind auf der bahnbrechenden Platte The Freewheelin’ Bob Dylan erschien. Uns beschäftigt in dieser Spex die Frage, warum es heute undenkbar scheint, dass sich eine Popkarriere noch aus einer selbst formulierten Protesthaltung heraus entwickeln könnte: Christoph Twickel, Hartwig Vens, Klaus Walter und Kristof Schreuf behandeln muliperspektivisch die Frage, warum Protest im Pop verstummt zu sein scheint. Dazu rufen wir in Kooperation mit dem Webradio ByteFM MusikerInnen und Bands auf: Macht zum Song was Euch kaputt macht! Ein Themenschwerpunkt, der schon feststand, bevor Fukushima und Libyen via Live-Ticker zu den aktuellsten Signs o’ the a-changin’ times wurden.

    Im Juni 1981 dokumentierten Mediziner erstmals das Krankheitsbild AIDS. In unserem Special 30 Jahre AIDS fragen wir nicht nur, wie heute popkulturell mit dem HI-Virus und seinen Folgen umgegangen wird. Wir lassen auch Revue passieren, wie Künstler in den achtziger Jahren auf die Pandemie reagierten. Der amerikanische Kunstkritiker Douglas Crimp veröffentlichte 1987 mit AIDS: Cultural Analysis/Cultural Activism ein richtungsweisendes Buch zum Thema. Im Interview erinnert Crimp u.a. an den Aktivismus von Künstlergruppen wie ACT UP und an das Werk Felix Gonzalez-Torres’. Beim Shooting im New Yorker Stadtteil Tribeca traf Crimp zufällig einen alten Bekannten, den Bildhauer Richard Serra. Schaut man das Foto von Adrian Crispin an, kann man Crimp fast über die Straße rufen hören: »Hey Richie, was macht der Stahl?«

    Und wenn sich dieses Heft trotz dieser schwer gewichtigen Themen leicht und frisch blättert, könnte das am Layout liegen: Unser neuer, bereits im letzten Heft vorgestellter Art-Director Andreas Wesle hat für einen umfassenden visuellen Relaunch gesorgt, mit mehr Luft, mehr Spiel, mehr Perspektiven. Wir sind hingerissen und gespannt auf das Echo unserer Leserschaft.

    Die Redaktion

4 KOMMENTARE

  1. bon soir…..

    halte soeben die neue spex in meinen händen und – bin nicht sonderlich angetan – weder inhalt noch und besonders das neue layout überzeugen mich….

    Layout: schrecklich, weil unübersichtlich und eher wie ein kinderbuch wirkend, da wird das lesen mehr als anstrengend, sogar die band-oder künstlernamen zu „dechiffrieren“, nervt kolossal…

    inhalt: tobias levin-interview o.k., aber was soll die reminiszenz an die seuche??
    hauptvektor ist und bleibt unsere geliebte gay-community, die seit optimierung der antiretroviralen therapie wieder (ungeschützt!!) rammelt als gäb’s kein morgen, sich ansteckt, aufgrund der vom dummen michel bezahlten exorbitant teuren therapie mit normaler lebenserwartung mit 20,30 frühberentet wird – mein mitleid/interesse für die erkrankung hält sich in grenzen, gähn…….

    mode: mal ehrlich, wen wollt ihr animieren mit diesem furchtbaren schrott? lediglich tiger und burberry können was, aber das obertuntige herr von eden (H O R R O R) oder carhart, wolford, filippa k und monki (???) – lieber keine mode als das…..

    filme? nur deutscher boring shit…

    quintessenz: nichts relevantes, nichts, was interessiert oder hängenbleibt, so langsam nähert ihr euch dem unterirdischen niveau an, das in der SPEX vor dem umzug nach berlin herrschte; dazu passt die furchtbarste cd des monats ever, die unsägliche neue der ätzer Fleet Foxes….

    WO BLEIBT DER ELAN UND DER MITREISSENDE ESPRIT DER SPEX – AUSGABEN NACH ABSÄGEN DER BOF’s AUS KÖLLE????

    ciao mit noch nicht gänzlich abgestorbener hoffnung, dass ihr die kurve nochmals kriegt,

    christian weik

  2. „hauptvektor ist und bleibt unsere geliebte gay-community, die seit optimierung der antiretroviralen therapie wieder (ungeschützt!!) rammelt als gäb’s kein morgen, sich ansteckt, aufgrund der vom dummen michel bezahlten exorbitant teuren therapie mit normaler lebenserwartung mit 20,30 frühberentet wird – mein mitleid/interesse für die erkrankung hält sich in grenzen, gähn…….“
    Das klingt sehr pauschal.
    „mode: mal ehrlich, wen wollt ihr animieren mit diesem furchtbaren schrott? lediglich tiger und burberry können was, aber das obertuntige herr von eden (H O R R O R) oder carhart, wolford, filippa k und monki (???) – lieber keine mode als das…..“
    Was ist denn das Problem mit tuntiger Mode?
    Die Kritik an der Spex ist nicht sehr differenziert, und die Einstellung zu der Zeitschrift sehr negativ, so scheint es mir.

  3. halte soeben die neue spex in meinen händen und – bin nicht sonderlich angetan – weder inhalt noch und besonders das neue layout überzeugen mich….

    Das kann ich leider nur unterstützen. Es ist ein graus. Das sich die Spex so schnell nach dem Wechsel so arg verschlechtert, hätte ich nicht für möglich gehalten.

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