Earth Hex: Or Printing In The Infernal Method

Wenn es noch eines Belegs für meine Lieblingsthese bedurft hätte, dass der Drone Metal von Earth, Sunno))), Khanate, Growing & Co. eine formschönere, dichtere, tiefere, spirituelle und – wie der Anglophile zu sagen pflegt – »gutsy« Variante von »Americana« sei, dann haben Earth ihn mit ihrem fünften Album »Hex: or Printing in the Infernal Method« geliefert. Die Wüste lebt.

    »Hex« ist die reine Form: kein Feedback, keine Overlays, keine Effekte. Was bleibt, wenn man die primitiven Abstraktionen Earths von »Pentastar« und »Sunn Amps And Smashed Guitars« auf ihren schwermütigen Kern herunterbricht, ist ein flächiger Bluesrock, der klingt wie John Fahey auf Prozac. Zeit schluckt Materie. Dylan Carlsons Akkorde sind fast körperlos, existieren nur noch als Schwingungen. Trotzdem, das Banjo ist Killer. »Hex« ist so etwas wie die Quintessenz der »Desert Sessions«: Stoner Rock ohne Stoner. Nur ein paar lederne Eremiten in der Wüste, die das Gefühl für Raum und Zeit verloren haben. »Dude Music« zur Bewusstseinserweiterung. Oder doch nur der Soundtrack für den neuen Wenders? Ein erdiges Requiem für unverbesserliche Marlboroland-Nostalgiker?

    Was an »Hex« stört, ist, dass es die distanzierte Lakonie Earths vermissen lässt, die malochermäßige Auseinandersetzung mit dem reinen Klang, das Physische ihres subsonischen Wumms. Diese göttliche Abstraktionsgabe, die Earth so einzigartig macht. »Hex« eröffnet mit dem Wind, der durch die leeren Straßen eines gottverlassenen Kaffs fegt; irgendwann hört man noch ein paar Pferde im Hintergrund.

    Ein Bild ergibt das nächste. Impressionistisch ist auf »Hex« nicht mehr das Spiel von Feedback, Reverb und Tönen, sondern die Melancholie des Pferdeflüsterers, wenn er die schleppenden Bluesakkorde vor sich hertreibt. Infernalischer Americana-Kitsch ist das, aber hallo. In manchen Momenten wäre weniger mehr gewesen. Hätte nicht gedacht, dass ich das mal über Earth sagen würde.

LABEL: Southern Lord

VERTRIEB: Soulfood

VÖ: 10.10.2005

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