Du Blonde Welcome Back To Milk

Als Du Blonde gibt sich Beth Jeans Houghton kämpferisch – das macht sie verdammt gut: Welcome Back To Milk.

2012, als die damals 22-jährige Beth Jeans Houghton aus Newcastle Upon Tyne noch spleenigen Folk spielte und Tigeroverall trug, sagte sie: »Ich weiß, dass ich keine große Künstlerin werde. Dass ich irgendwann out of fashion bin. Aber das ist okay. Ich gefall halt nicht allen!« Nun, vielleicht hat sich die junge Dame geirrt. Aber der Reihe nach.

Vor drei Jahren hing Houghtons Himmel voller Geigen. Yours Truly, Cellophane Nose, das Debütalbum der Synästhetikerin, wurde, auch dank ihrer stimmlichen Bandbreite, auf Anhieb zum Erfolg. Houghton tourte mit ihrer Band, den Hooves Of Destiny, vor allem quer durch das Vereinigte Königreich und nahm in Los Angeles, wohin es sie, vielleicht aus Liebe zu einem Kerl der Red Hot Chili Peppers, verschlagen hatte, Knall auf Fall eine weiteres Album auf. Doch nicht nur die Liebe, auch ihre Band ging zu Bruch, die Platte blieb im Schrank unter Verschluss – und eine gebeutelte Miss Houghton zurück. Sie reiste durch die USA, hörte auf zu trinken und meditierte. Die Initialzündung für den Neustart gab eine Freundin, die fragte: »Wieso schreibst du fröhliche Lieder, wenn du angepisst bist? Sei doch ehrlich!« Flugs sattelte Houghton von der Rhythmus- auf die Leadgitarre um und schrieb Songs, die ausdrückten, was (nicht nur) sie ankotzt: respektlose Typen, die in Business-Meetings rumpflaumen und unken, ob sie ihre Tage habe; die Tatsache, dass jeder Mann und sein Hund meinen, einer Frau sagen zu können, wo es langgeht.

Dementsprechend kämpferisch klingt die Musik ihres neuen Alter Ego Du Blonde. Die zwölf Stücke auf Welcome Back To Milk zuckeln kräftig und marschieren straight voran. Am Klang werkelte Jim Sclavunos, den man unter anderem als Schlagzeuger von Nick Cave & The Bad Seeds und Grinderman kennt, und eine neue Band hat Houghton auch (obwohl vorerst nicht bekanntgegeben wird, wer mitspielt). Du Blonde trägt nicht mehr Tigermuster, sondern Nasenring zu Kunstfelljäckchen und abgesehen davon herzlich wenig. Interviews gibt sie in der Badewanne und erklärt, dass sie sich musikalisch zwischen Bowie, Bolan und Beefheart bewege. Zu hören sind aber auch Einflüsse von The Jon Spencer Blues Explosion (auf dem Song »Black Flag«), The Smiths (»Hard To Please«), sogar von The Go-Betweens (»Mr. Hyde«) und tatsächlich auch von den Kerlen der Red Hot Chili Peppers (»Raw Honey«). Außerdem gibt es rührende Balladen wie »Hunter« und »Four In The Morning«.

Der größte Hit ist der Indierock-Brocken »My Mind Is On My Mind« mit Bonusgesang von Samuel T. Herring, der sonst bei Future Islands am Mikrofon steht und den Song durch die Decke haut. Das letzte Lied, die psychedelische Skizze »Isn’t It Wild« beginnt mit einleitenden Worten von Houghtons Großvater und verführt mit Beatles-artiger Fluffigkeit: »Isn’t it wild when we come face to face with the love of our life and we don’t have a damn thing to say«? Nun, liebe Frau Houghton. Sie hatten Unrecht. Sie sind eben doch eine Künstlerin. Mit einer großartigen Platte.

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