Drinks „Hippo Lite“ / Review

Drinks, die kleine Anti-Folk-Supergroup von Cate Le Bon und Tim Presley, schafft auf ihrem zweiten Album Hippo Lite einen seltenen Spagat: Einerseits angenehm unknallig, andererseits völlig durchgeknallt.

Drinks sind eine kleine Supergroup des verstörten Anti-Folk, aber die Fakten dazu muss man sich Schritt für Schritt erschließen. Cate Le Bon ist natürlich schwer zu übersehen, ein Tausendsassa, die solo und in allerlei Projekten auch mal auf Walisisch singt. Ihr drinking buddy Tim Presley aber ist ein Star aus der zweiten Reihe: Er spielte bei Darker My Love, The Strange Boys, Ty Segall und sogar The Fall sowie solo unter dem Namen White Fence. Wichtiger als die Namen ist jedoch der Klang: Drinks singen auf ihrem zweiten Album Hippo Lite obskur-schöne, kaputte Lo-Fi-Stücke und minimalistische Psychedelia, entwerfen seltsame Stimmungen, die an die alten Swell Maps mit ihren Dachboden-Instrumenten und Rumpel-Soundcollagen erinnern. Le Bon und Presley sind aber keiner Post-Punk-Tradition verpflichtet. Einerseits angenehm unknallig, andererseits völlig durchgeknallt.

Das in „Greasing Up“ besungene Orchester oder der mehrstimmig-disharmonische Gesang in „Corner Shops“ lassen die schrägen Reduktionen der erwähnten Swell Maps oder auch Daniel Johnston bisweilen ganz schön blass aussehen. Le Bon erklärt, Naturerlebnisse in Südfrankreich und reichlicher DVD-Konsum („Jurassic Park“) hätten die Aufnahmen von Hippo Lite begleitet. Presley ergänzt, dass man broken music produziert habe. Kann man so sagen: Die zwischen 40 Sekunden und fünf Minuten langen Stücke funktionieren wie kleine Pop-Hörspiele und sind noch verquerer als das Drinks-Debüt Hermets On Holiday aus dem Jahr 2015. Wie so vieles an dieser Band ist auch das gut zu wissen.

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