Drei Tage Bilbao, drei Tage BBK Live 2014

Irgendwann ist der deutsche Festival-Fan auf allen Open-Airs unseres Landes schon mal gewesen und richtet den Blick auf die Events in den anderen Ländern Europas. Ein möglicher Kandidat: das BBK Bilbao im Baskenland, das in diesem Jahr etwa Franz Ferdinand oder Phoenix in malerischer Kulisse begrüßen durfte.

Der erste Eindruck: Dieses Open Air steigt in einem nahezu perfekten Gelände. Eingebettet ins Hügelland über der 300.000-Einwohner-Metropole stehen die zwei Bühnen und das Zelt fast wie in natürlichen Amphitheatern. Einige Stellen erlauben den Ausblick über die Nachtlichter Bilbaos im Talkessel. Diese Stadt, auch sie ist ein Star des Festivals.

Denn während bei uns auf den großen Events oft schon zur Mittagszeit die ersten Bands in die Mittagshitze geschickt werden, haben spanische Festivals offenbar einen anderen Rhythmus. Hier stehen die ersten Acts nicht vor 17.30 auf der Bühne, dafür gibt es Livemusik bis 3 Uhr morgens. Das bedeutet, dass man den Tag in der City nutzen kann – der Shuttlebus braucht schließlich nur 20 Minuten zwischen Festival und dem Stadtkern.

Das Bilbao BBK Live Gelände by RhythmAndPhotos

Unten im Tal kann man in den gemütlichen Cafés und Bars im pittoresken historischen Stadtkern allerlei Pintxos probieren oder sich von der Architektur und Kunst der hochmodernen Kulturstadt beeindrucken lassen. Frank Gehrys berühmtes Guggenheim-Museum zum Beispiel: Klar, wir kennen es von unzähligen Aufnahmen. Aber wenn man mal davor steht, ist die Wirkung halt doch eine ganz andere.

Doch zurück zu den Shows. Gemischt unter ein sympathisch-stylisches internationales Publikum, in dem die Spanier natürlich überwiegen, aber
auch Franzosen und Briten einen substantiellen Anteil stellen, erleben wir ein paar Lokalhelden und die europaweit üblichen Verdächtigen. Was nicht negativ gemeint ist, denn diese wissen zu begeistern: Die Schotten Franz Ferdinand können heute, da ihre Diskographie vier Alben umfasst, eine Art Greatest Hits-Set spielen, in dem jeder Song mitreisst. Auch die Franzosen Phoenix, die ja eigentlich einen eher subtilen Indiepop pflegen, können souverän auch mit den größten Bühnen umgehen. The Prodigy sind längst Festival-Veteranen – und deswegen seit über einem Jahrzehnt Open Air-Stammgäste, weil ihre Liveshow nun mal einfach spektakulär reinknallt, mit ihrer perfekten Synthese aus zuckenden Rhythmen und blitzenden Lichtern. The Black Keys wiederum sind die Band, die auf sämtliches Brimborium verzichtet und genau deshalb mit ihrem satten Bluesrock so überzeugt.

The Black Keys in Bilbao 2014 by MusicSnapper

Auch das Zelt, es pulsiert. Mal zu den Beats von Hercules & Love Affair, mal zur Herzschlag-Americana von Conor Oberst. Aber es sind Local Heroes, die die größte Show abziehen: Crystal Fighters, die ja selbst aus der Biskaya stammen und deren Spezialität es ist, immer wieder baskische Folklore in ihren rasanten
Tech-Schrammel-Pop zu mixen, feiern ihr Heimspiel mit den ausgeflipptesten Kostümen und zur wohl enthusiastischsten Reaktion des Publikums.

2015 findet das Festival vom 9. bis 11. Juli statt – der Vorverkauf läuft bereits.

Frank Turner live by RhythmAndPhotos