Drei Beispiele zeitgemäßen Musikvertriebs

Bob HundMan muss niemandem etwas vormachen: Bob Hund war diesem Autor bis vor kurzem noch völlig unbekannt. Die schwedische Twee-Pop-Band ist angeblich in ihrer Heimat eine respektable Nummer, aufmerksame Spex-Leser können bei Interesse gerne mit guten Argumenten bzw. persönlicher Begeisterung in den Kommentaren punkten. Grund für die Thematisierung von Bob Hund ist jedenfalls nicht ihre musikalische Originalität, sondern die Wahl eines besonders interessanten Vertriebsweges: ihre neue Single »Fantastiskt«, auf exakt ein Exemplar limitiert, wird zusammen mit einem Plattenspieler bei eBay verkauft.

Bob Hund
Bob Hund – Fantastikt

     Das Studiomaster-Dubplate soll zusammen mit einem Plattenspieler geliefert werden, Lyrics und Cover-Artwork werden auf dem Produkt mitgeliefert – eine digitale Kopie des Stücks existiert (bisher) nicht. Derzeit steht die Auktion bei satten 2175 US-Dollar, am morgigen Freitag, 14 Uhr, wird sie enden.

     Interessant ist dieser Vertriebsweg gerade mit Blick auf die Balearic-Indie-Band The Embassy, über die wir bereits in verschiedenen Zusammenhängen berichteten. Auch diese Schweden haben kürzlich eine neue Single veröffentlicht, vor drei Tagen endete der – ebenfalls mittles eBay abgewickelte – Verkauf ihres 12"-Vinyls »You Tend to Forget«. Gemeinsam mit dem Art Director Carl Hammoud legten The Embassy sechs Exemplare der Single auf – drei Stück verbleiben bei der Band, drei waren zum Verkauf bestimmt. Über den Tresen ging die erste Single letztlich für 280 US-Dollar. Wer auf den Geschmack gekommen ist, sollte sich in den kommenden Tagen regelmäßig auf den Seiten ihres Labels Service aufhalten (oder den Newsletter abonnieren, was eben umstandsloser ist). Als glücklicher Käufer darf man dann ein ultrarares Vinyl mit einer Gravur des eigenen Namens in Händen halten.

The Embassy Tacking
The Embassy – You Tend to Forget

     Service Records sind in Sachen alternativer Distribution von Musikinhalten sowieso ein Vorreiter: schon Anfang letzten Jahres startete man bei Service den hauseigenen Fanclub, über den Mitglieder gegen Entrichtung eines Beitrags von 25 Euro alle regulären Label- sowie sonstige exklusive Releases als Download vor offizieller Veröffentlichung erhalten. Obendrauf bekommt man das gute Gefühl, »ein Teil der führenden Pop-Kunst zu sein«.

     Man sieht: alles ist käuflich. Gerade die Distinktion.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.