Dream Wife „Dream Wife“ / Review

Bevor der hymnische Gesang einsetzt, könnte man denken, es sind die Strokes. Inhaltlich bewegen sich Dream Wife jedoch weg davon, hin zum popfeministischen Kontext.

Ach, wie liebe ich Bands, die nicht an Musik-, sondern an Kunsthochschulen gegründet wurden! Die besseren Konzepte gibt es dort sowieso, die bessere Musik meistens auch. Beweisstück Dream Wife: Das Londoner Trio ist vor allem eine dream band. Sie singen: „I am not my body / I am somebody.“ Und sie sind die erste Gruppe seit dem Debüt der Strokes vor 17 Jahren, der es tatsächlich gelingt, wie die Strokes zu klingen. Umso ärgerlicher, dass die Musikkritik sie (vor allem hierzulande) wahllos mit anderen Bands und Musikerinnen vergleicht, in denen Frauen spielen: Bikini Kill, Spice Girls, Breeders, Madonna. Sic!!! Das ist biologistischer Blödsinn, bei dem wirklich alles durcheinander geht.

Bikini Kill, Spice Girls, Breeders, Madonna. Sic!!!

Sei’s drum. Dream Wife: die hypermelodieverliebten Gitarrenriffs und -soli, die Harmonien,  die Gesangsmelodien und Bassläufe, das dynamische Schlagzeug, die ungestüme Überdrehtheit in punkto love and sex, die phrasenhaften und dabei den Zeitgeist prägnant auf den Punkt bringenden Lyrics – all das erinnert zu 100 Prozent an die Strokes. Ja, bevor der hymnische Gesang einsetzt, könnte man denken, es sind die Strokes, die man hört. Aber es läuft Musik von Rakel Mjöll (Leadgesang), Alice Go (Gitarre, Vocals) und Bella Popadec (Bass, Vocals). Zum Glück habe ich schließlich doch noch einen Artikel gefunden, in dem Mjöll sagt, sie habe mit 12 Jahren bei den Strokes die Rockmusik entdeckt, und diese seien nach wie vor der Haupteinfluss. Yes! Ich muss mich nicht ins Irrenhaus einliefern lassen.

Inhaltlich bewegen sich Dream Wife jedoch weg von den Strokes, hin zum popfeministischen Kontext, nennen die weltweite Slutwalk-Bewegung als Einfluss. Stereotype Männerfantasien des American Dream (inklusive passender Ehefrau) deuten sie zu einer feministischen Idee von „Traumfrau“ um. Nebenbei geben sie uns den Spaß an der Rockmusik zurück und stehen für jene Aufbruchsstimmung, Abenteuer und gute Laune, die nur erleben kann, wer Hindernisse überwindet. Durchweg groovende Selbstermächtigung für die Indiedisco der nächsten 15 Jahre.

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