Drawing Voices

Der bildende Künstler und Musiker Craig Dongoski hat es sich zum Ziel gesetzt, mit seinem Projekt Drawing Voices den Sound von Schreib- und Malprozessen kompositorisch erfahrbar zu machen. Denn den Klängen, die entstehen, wenn mit einem Stift auf einem Blatt Papier gekritzelt oder ein Pinsel über eine geräumige Leinwand geführt wird, wird kaum Beachtung geschenkt. Sie sind zwar Teil des künstlerischen Vorgangs, im Kern aber doch nur ein Nebenprodukt, wenn es darum geht, einen literarischen Text oder ein abstraktes Gemälde zu bewundern. Dongoski ist es also daran gelegen, diese intimen Hörereignisse zu verstärken, aufzunehmen und anschließend elektronisch zu verfremden. Resultat dieser Vorgehensweise sind elektroakustische Kollagen, die einerseits aus ihren Klangquellen kein Geheimnis machen und sie andererseits derart stark modulieren, dass ihre Herkunft ohne die nötigen Hintergrundinformationen nicht erkennbar wäre. Erstaunlich an Dongoskis elektronischen Spielereien ist seine Fähigkeit, aus einem fragilen Klangkompendium nicht nur minimalistische elektronische Texturen zu kreieren, sondern jene zerbrechlichen Geräusche in massive Soundblöcke aus dichten Drones und digitalen Verunreinigungen zu verwandeln. Ferner integriert er in seine Kompositionen musikalische Materialien, die nicht ausschließlich aus Schreib- und Malklängen bestehen. Dazu gehören zum Beispiel menschliche Stimmen oder eine akustische und elektrische Gitarre, die von Aaron Turner (Isis) gespielt wird. Während der elektrische Sechssaiter, ausgestattet mit zahlreichen Präparationen, seinen Klangcharakter an die elektronischen Schallwellen anzupassen versucht, möchte sein akustischer Partner einen Kontrast zu ihnen bilden, der aber leider nicht funktioniert. Turners Spiel, das entfernt an indische Ragas erinnert, geht mit den abstrakten Glitchsounds keine sinnvolle Fusion ein, eher scheint es, als ob beide Ereignisse nebeneinander herlaufen ohne sich gegenseitig zu beeinflussen.
    Die Idee hinter Drawing Voices mag vielleicht ambitionierter Natur sein, ihrer Realisation mangelt es aber an einer nötigen kompositorischen Stringenz. Die Musik erscheint somit beliebig und zerfasert, frei von spannenden Höhepunkten und interessanten Wendungen.

LABEL: Hydra Head

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 25.05.2007

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.