Dorian Concept Joined Ends

Handgemachtes: Dorian Concept präsentiert auf Joined Ends »akustische Freude in Technicolor«

Joined Ends erscheint auf Ninja Tune – cool, geschmackvoll, verspielt, upfront, unabhängig. Und das alles seit bald 25 Jahren. Schön, dass es das Label gibt, jede Veröffentlichung verdient immer noch ein Quäntchen mehr Aufmerksamkeit als die meisten anderen. Diesmal geht es um die neueste von Oliver Thomas Johnson, geboren im schönen Jahr 1984 in der schönen Stadt Wien, 2012 für den Amadeus Austrian Music Award in der Kategorie Electronic/Dance nominiert und zuvor schon gute sechs Jahre all over the place im besseren Clubland. Das »Dorian« in seinem Projektnamen, so steht es zu lesen, bezieht sich auf die Tonskala des Dorischen Modus und auf Johnsons Tastenausbildung inklusive Jazz-Theorie. Herbie Hancock, Pat Metheny – wem bei diesen Namen eher schaudert als wohlig warm wird, der kann hier abbrechen.

Herr Concept ist ein Liebhaber analoger Synthesizer mit reichlich Micro-Korg-Improvisationstalent, der schon bald in Gilles Petersons Playlist rutscht und von eben diesem Chefwohlfühlberater zur eigenen Jubiläumsshow ins Vorprogramm von Q-Tip geholt wird. Den weiteren Verlauf der Biografie hat man auch schon mal gelesen: Hart tourender Clubmusiker braucht mal ’ne Auszeit, dreht den Dance-Beat runter und findet zur handgespielten Musik. Der Beipackzettel zur Platte spricht von »akustischer Geometrie« und einem »Trip im Floating Tank«. Floating Tank! Ich erinnere mich, wie kurz nach der Eröffnung meines ersten Ladens zwei Häuser weiter ein solcher Schwebesuppenvermieter eröffnete. Als Nachbar bekam ich einen Gutschein und hab’s dann, wie man so sagt, zweimal gemacht: das erste und letzte Mal. Klaustrophobie! Quallenhafte Aufweichung der Körpergrenzen! Kontrollverlust – an sich ja eine interessante Erfahrung, aber nicht in einem zu 90 Prozent geschlossenen Plastikei mit Walgesangsbeschallung.

Ganz so schlimm ist die Erfahrung dieser »reinen, akustischen Freude in Technicolor« (Beipackzettel) nicht, eher vergleichbar mit de-eskalationsmäßig beschallter Wartezeit in einer ganzheitlichen Arztpraxis samt Akupunktur und Aromatherapie. Damit reiht sich Joined Ends in die mit Bonobo und dem Cinematic Orchestra namhaft besetzte Inhouse-Sparte »akustische Inneneinrichtung«, dazu angetan, das heimatliche Feng Shui alljährlich einem Update zu unterziehen (vorhandene Geldmittel vorausgesetzt).

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