Doppelreview: „Kin“ vs. Mogwai „Kin O.S.T“

Wir wollen nicht lügen, die Synopsis von Kin klingt wie der feuchte Traum von Seth Rogan: James Franco, ’ne krasse Laserknarre mit ordentlich Wumms und dazu ein Soundtrack, der bekifft bestimmt auch Spaß macht. Kin basiert auf dem Kurzfilm Bag Man und wurde von den Brüdern Jonathan und Josh Baker als Debütfilm dirigiert, die mit SPEX über die Leitmotive ihres ersten Werks sprachen. Der Soundtrack stammt von Mogwai. Mystery mit postindustriellem US-Charme.

James Franco, Michael B. Jordan als Co-Produzent, ’ne sperrige Laserwumme und Larkin Seiple, der Kameramann von Donald Glovers eindringlichem Musikvideo zu „This Is America“? Bei diesen ganzen vermeintlichen Hauptakteueren könnte man glatt die Regisseure Jonathan und Josh Baker aus den Augen verlieren, die nach viel Werbung und viel Erfahrung mit Kin ihr Filmregiedebüt abliefern. Kin basiert auf ihrem eigenen Kurzfilm Bag Man, der sogar eine kurze Nebenrolle im Film verpasst bekommt und die Geschichte vom jungen Elijah (Myles Truitt) erzählt. Der findet in einer Industrieruine eine futuristische Waffe, die er fortan in einer unscheinbaren Tasche bei sich trägt. Vor dem Spiegel wird damit zu Anderson.Paak posiert – was man halt so macht.

Kin hat offensichtlich Potenzial, was daran liegen mag, dass der Film den gemeinsamen Nenner von Genre-Kino, Indie-Produktion, Roadtrip-Movie und Sci-Fi-Bombast gefunden hat. In den dahinsiechenden Vereinigten Staaten von Amerika ist es das Mysteriöse, in dem alles zusammenkommt. Die Produzenten von Stranger Things und Arrival, die das Mysteriöse im Coming-of-Age und Polit-Thriller-Genre wiedererweckt haben, produzierten auch Kin, drückten der Geschichte einer Familie den Stempel des scheinbar Undurchschaubaren auf.

Eine visuelle Gestaltung, die dank Bildrauschen und spärlicher Beleuchtung an die früheren Arbeiten des Kameramannes Larkin Seiple anschließt, beschwört die Romantik postindustrieller Ödnis in den Vereinigten Staaten von Amerika. Häuserblocks, Straßen und zerfallende Gebäude werden zu geometrischen Spielsteinen, die als metaphorisches Leitbild intelligenter Zivilisation inszeniert werden.

Selbst als fremdartige Kreaturen von offensichtlich höherer Intelligenz auftauchen, befinden sich Drei- und Rechtecke im Mittelpunkt. An die Stelle symmetrischer Häuserreihen treten dann die futuristischen Spionagegeräte der Fremden. Gebrochen wird mit diesem Schema, wenn Elijah und Jimmy (Jack Reynor) aufbrechen, um vor Taylor (James Franco) und seiner Gang zu fliehen. Sonnenaufgänge in der Wildnis Iowas sind ungeordnet und Befreiungsschlag, die paralellen Gefängnisstangen hingegen erzwungene Rückkehr in die Zivilisation.

Prämisse? na gut, eine riesige Laserpistole in Form eines gigantischen Zippos.

An diesem Punkt drängt sich der Soundtrack der schottischen Post-Rock-Band Mogwai auf. Die scheinbar endlosen Riff-Ebenen eröffnen Dimensionen und Formen ähnlich wie die Optik. Als Fluchtpunktmusik oder eskapistische Vertonung des Horizonts liefert der Soundtrack den roten Faden, den Kin dringend nötig hat.

Im Gespräch mit SPEX redeten die Baker Brothers vom „Verfall, der sowohl im Charakter, als auch der Umgebung ein Leitmotiv für die visuelle Gestaltung war“. Von „zerrütteten Beziehungen in einem zerrütteten Amerika“ solle der Film handeln. Das Problem? Das größte Mysterium des Kurzfilms, den Inhalt des Beutels, bewirbt der Film schon im Trailer. „Wir hätten das Mysterium nicht bis zum Schluss aufrechterhalten können“, sagen die Baker-Brüder angesprochen auf die futuristische Waffe. Stattdessen wird die Waffe also direkt gezeigt – und daraufhin beinahe totgeschwiegen.

Trotz einigermaßen interessanter Prämisse – na gut, eine riesige Laserpistole in Form eines gigantischen Zippos eben – verläuft sich der Film also in der eigenen Schweigsamkeit. Mysterien entstehen durch Fragen, von denen kaum welche gestellt werden. Wie die überladene Antwort auf eine ungestellte Frage wirkt dann der Schluss. „Am Ende soll es etwas bedeuten, wenn Eli vom Schicksal so richtig eine verpasst bekommt“, sagen die Baker Brothers. Dabei ist es wohl eher das Publikum, das von dem pathetischen Schlussmonolog eine verpasst bekommt.

Im Grunde arbeiten sich beide Medien am abstrakten Heimatgefühl, der Familie, Kin eben, ab. Während Mogwais Soundtrack dabei auch ohne sein visuelles Gegenstück auskommen würde, ist die Atmosphäre des Filmes eng an den score gekoppelt. Mogwai überzeugen, Kin eher weniger.

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