Doppelreview: Andreas Dorau „Die Liebe und der Ärger der Anderen” vs. Der Plan „Unkapitulierbar”

Dass es nach 25 Jahren überhaupt ein neues Album von Der Plan in Fast-Originalbesetzung gibt, liegt mittelbar an Andreas Dorau. Der wünschte sich die Band auf seinem 50. Geburtstag.

Es ist ja bekannt, dass Andreas Dorau als Person viel weniger lustig ist als manche aufgrund seiner eher zufälligen NDW-Karriere glauben. Dorau meint alles immer sehr ernst, und deshalb sollte man es durchaus für bare Münze nehmen, dass er mit seinem zehnten Album endlich die Charts knacken will – das ist ihm bisher nur 1981 mit „Fred vom Jupiter“ gelungen, was Die Liebe und der Ärger der Anderen ändern soll. Helfen sollen Dorau dabei so viele Leute wie noch nie: Es produzierten, texteten und spielten etwa Luca „The Power“ Anzilotti, Alfredo Fiorito, Moses Schneider, Wolfgang Müller, Carsten Friedrichs, Stereo Total, Andreas Spechtl und viele mehr. Entstanden ist ein Doppelalbum mit zwanzig Stücken, erhältlich auch als teure Deluxe-Edition.

Natürlich ist Tolles dabei, „Radiogesicht“ und „Liebe ergibt keinen Sinn“ (mit Pet-Shop-Boys-Zitat!) etwa, entspannte Dorau-Disco-Foxe, oder „Sybilla Maria Merian“ von und mit Françoise Cactus, oder der tragikomische Ibiza-Clubtrack „Im Laufe einer Nacht“. Aber in der schieren Material- und Menschenmenge verplätschert das Knackige, Hittige, Dorau’eske und man erkennt: Aus der Bibliotheque von 2014 ist Doraus Chartalbum der Herzen.

Vielleicht sollte Der Plan das nächste Dorau-Album produzieren.

Dass es nach 25 Jahren überhaupt ein neues Album von Der Plan in Fast-Originalbesetzung gibt, liegt mittelbar an Dorau. Der wünschte sich die Band auf seinem 50. Geburtstag. Muss Spaß gemacht haben: Das Trio warf danach seine Musikskizzen der letzten Jahre zusammen und produzierte in kürzester Zeit ein ganzes Album. Titel und Cover weisen Der Plan als nicht komplett überzeugte Europäer aus, die mangels besserer Alternativen die blau-gelb-gesternte Fahne hochhalten – wobei nur „Grundrecht“ und „Was kostet der Austritt“ als explizit politisch durchgehen, die übrigen Stücke sind ein smoothes Potpourri aus charakteristischem Plan-Stoff, verwitterter Romantik und brisanter Fragen: „Wie frech ist ein Oskar / Wie dumm ein Stück Brot?“ Aber Worte sind nur eine Seite, die Musik die andere: Fieps-Elektronik, spanische Gitarren, Reggae (!), Vogelzwitschern, Disco und Daddelei gehen mühelos zusammen und bringen Der Plan 2017 auf den zwingenden Nenner, „Trag Sonne im Herzen und einen lustigen Hut“. Vielleicht sollte Der Plan das nächste Dorau-Album produzieren.

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