„Doppelleben“: Ausstellung vereint Musik und bildende Kunst im Mumok

Doppelleben heißt die neue Ausstellung im Mumok in Wien und meint damit nicht etwa den Unterschied zwischen biederem Privatleben und schillernder Prominenz, sondern die Tätigkeit Kunstschaffender, sich abseits der bildenden Kunst auch dem Musizieren zu widmen. Eine gängige Praxis, wie anhand einer Vielzahl von Beispielen gezeigt wird. Dabei interessiert nicht allein, wer auf den großen Bühnen und wer abseits der Öffentlichkeit im verstaubten Keller auf Instrumente hämmert, sondern welchen Einfluss eben dieses Zwitterphänomen auf die Kulturlandschaft des Hier und Jetzt ausübt.

Ganz im Sinne des Kunstkritikers Jörg Heiser betitelt das Mumok seine am 23. Juni startende Ausstellung mit dem schon beinah mysteriösen Begriff Doppelleben. In seinem gleichnamigen Buch untersucht er das Verhältnis von Kunst und Popmusik. Viel mehr als um Dualität wird es im Mumok allerdings um eine Form von Hybridität gehen: Es werden bildende Künstler und Künstlerinnen vorgestellt, die obendrein (beziehungsweise nebenher) Musik machen. Auch wenn in manchen Fällen tatsächlich beide Kunstformen autonom nebeneinander stehen, kommt es doch oft zur Vermischung. Gerade deshalb hat sich die Ausstellung die Frage gestellt, inwieweit sich bildende Kunst und Musik im Schaffensprozess einzelner gegenseitig bedingen und ob sie überhaupt trennscharf behandelt werden können.

Mit Marcel Duchamps ersten Readymades wurde das Phänomen komponierender Künstler und Künstlerinnen ins Leben gerufen, vor allem durch John Cage wurde es intensiviert und von Bands wie Destroy All Monsters (rund um Mike Kelley) weitergetragen. Im Rahmen der damit rund hundertjährigen Tradition wird man in Doppelleben auf die üblichen Verdächtigen wie Yoko Ono oder Andy Warhol und bekannte Gesichter wie die von Jutta Koether und Emily Sundblad treffen, aber auch Überraschungen wie Avoidance von und mit Heimo Zobernig zu hören und zu sehen kriegen.

Wie der Ausstellungstitel vermuten lässt, wird der Sound vom Bild begleitet, allerdings hauptsächlich von Fotografien oder Videos rund um die gehörten Songs, von Livemitschnitten oder Aufnahmen auf Konzerten. Strenggenommen wird damit noch eine weitere Kunstform ins Spiel gebracht – die der Performancekunst, die ihrerseits fleischgewordene Erörterung der Trennbarkeit von Individuum und Werk ist. Fürs Neben- und Miteinander von Musik und Kunst werden Infos zum bildnerischen Schaffen jeweils begleitend bereitgestellt.

Und um ganz unmittelbar das Ausstellungsmotto erleben zu können, werden obendrein Livekonzerte im Mumok stattfinden. Die Termine finden Sie unten, alle weiteren Infos rund um die Ausstellung und die dazugehörigen Konzerte gibt es hier.

Doppelleben
23.6. – 11.11. Wien – Mumok

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