Knoten, Wurzeln und Triebe

Videostill: Lucas Abela - Vinyl Arcade

Früher einmal hieß es: »Bella gerant alii, tu felix Austria nube! (Kriege führen mögen andere, du glückliches Österreich heirate!)« Gemeint war die geschickte Heiratspolitik des Herrscherhauses Habsburg, die das Land wiederholt vor blutigen Territorialkonflikten und Erbschaftskriegen bewahrte. Heute gibt es andere Gründe, um auf die Alpenrepublik neidisch zu sein. Etwa die Kulturförderung, die eine Reihe hervorragender kleiner Kunst- und Popkultur-Festivals hervorgebracht hat – mal mehr, mal weniger von staatlicher Seite subventioniert. Auf Anhieb kommen dabei das springfestival und das Elevate in Graz in den Sinn, Ars Electronica in Linz und das kleine, feine Poolbar-Festival in Feldkirch. Oder aber das Donaufestival in Krems – eine vom Bundesland Niederösterreich gegründete Veranstaltung, die sich in den vergangenen Jahren immer stärker auf die experimentellen Aspekte der Popkultur fokussierte.

Dieses Jahr widmen sich die zwei Festival-Wochen der Erkundung künstlerischer Netzwerke und der Verknüpfung verschiedener Medienformen, das Motto lautet NODES, ROOTS & SHOOTS. Eines der spektakulärsten Happenings des Festivals ist die interaktive Installation Vinyl Arcade des australischen Künstlers Lucas Abela. Aus zahllosen gebrauchten Vinyl-Platten baut Abela eine Rennstrecke für Modellautos, die von den Besuchern wie in einem Videospiel gesteuert werden können. Die Fahrzeuge sind mit Tonabnehmern versehen, die den Rillen der Platten bei jeder Fahrt einen indviduellen (kakophonen) Soundtrack entlocken. Die Installation ist nervenaufreibend und assoziationsreich – jedem echten Vinylfetischisten wird sie jedoch das Herz brechen.

Im Diskurs-Teil wird derweil – passend zum aktuellen Spex-Titelthema – über das Verhältnis von Sound und Politik debattiert. Für das Musikprogramm hat der Elektronik-Avantgardist Ben Frost die Reihe The Sound And The Fury zusammengestellt, bei der neben ihm selbst Musiker aus seinem persönlichen Umfeld wie Liturgy und Nadja auftreten. Die Pop-Strömung du jour darf natürlich auch nicht fehlen: Das britische Post-Dubstep-Netzwerk ist durch James Blake und Mount Kimbie prominent vertreten. Direkt daran andockend sind mit L-Vis 1990, Hudson Mohawke und Diplo Künstler eingeladen, die das Thema Bassmusik unter verschiedenen Vorzeichen variieren. Und schließlich dürfen auch Auftritte wie der von John Cale & Band und der einzige Europa-Gig der wiedervereinten Dance-Punks Death from Above 1979 nicht unerwähnt bleiben. Glückliches Österreich!


VIDEO: LUCAS ABELA – Video Arcade

Spex präsentiert: Donaufestival
28.04.-07.05. AT-Krems
mit James Blake, Mount Kimbie, Ben Frost, John Cale & Band, Liturgy, Nadja, L-Vis 1990, Death from Above 1979, Hudson Mohawke, Diplo, Ladytron, Tim Hecker u.v.a.

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