„Dogman“ – Filmfeature zum Kinostart

Mitten in das getretene Wesen der Bestie Mensch: Matteo Garrone verlegt mit Dogman eine italienische urban legend über einen Hundesitter in eine kriminell-prekäre Parallelwelt.

Marcello föhnt eine monströse Dogge, bis diese zufrieden ihre Backen schlackern lässt. Gerade hatte sie dem schmächtigen Italiener noch die Zähne gefletscht und den Wischmopp zerbissen. Jetzt, frisch ge­waschen, grinst sie selig. Marcello ist ein genialer Hundeflüsterer, das weiß man in Magliana. Alle dort bringen ihre Vierbeiner zum dogman. Nur abseits dieser Gabe gilt er wenig. Ein Mitläufer, von seinen Freunden ausgenutzt, von seiner Frau getrennt, einzig von seiner Tochter bewundert.

Die wahre Geschichte über den Hunde­sitter aus der römischen Peripherie, der in den Siebzigerjahren von allen so lange selbst wie ein Hund behandelt wurde, bis er sich grausam wehrte, kennt jeder Römer. Nun hat sie Matteo Garrone verfilmt, ins Heute versetzt und damit die schaurige urban legend um den Zug einer nationalen Tragödie erweitert. Stärker noch als in seiner Adap­tion von Roberto Savianos Gomorrha zeigt Garrone, welche Wirkung das kriminell­-prekäre Milieu italienischer Parallelwelten auf seine Bewohner_innen hat.

Marcellos Laden liegt am Hauptplatz der Vorstadt Magliana. Hier rosten Fahr­geschäfte vor sich hin, Putz platzt von den Fassaden der Wohnbunker. Und die Einwoh­ ner_innen arrangieren sich. Jede_r dealt, stiehlt und hehlt, soviel es eben zum Leben braucht. Abends spielt man zusammen Fuß­ball. Der einzige, der aus dieser subalternen Ordnung fällt, ist Simone. Der ehemalige Boxer ist kokainsüchtig, chronisch pleite, extrem aggressiv und hat einzig in Marcello, dem mit dem großen Herz für kläffende Bestien, einen letzten Bewunderer. Eine fatale Freundschaft.

Dogman steht in der Tradition des Neo­realismus, ist also zugleich dokumentarisch und ästhetisierend, hart und trotzdem von einem melancholischen Humanismus durch­zogen. Dass dieser Film so ungemein tief un­ter die Haut geht, liegt an der sensationellen Leistung Marcello Fontes in der Hauptrolle. Zusammen mit der kongenialen Naturgewalt Edoardo Pesce führt er uns mitten in das getretene Wesen der Bestie Mensch.

Dogman
Italien 2018
Regie — Matteo Garrone
Mit Marcello Fonte, Edoardo Pesce, Alida Baldari Calabria u. a.

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