Dntel

dntel-aimlessness
Pampa / RTD — 25.05.12

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Nein, eine kreative Blockade hat Jimmy Tamborello alias Dntel bei den Arbeiten zu seinem neuen Album keineswegs überkommen. Ganz im Gegenteil galt es einmal mehr, einen überbordenden Ideenschwall zu bündeln, anstatt ihn in die verschiedenen Nebenprojekte (aktuell: Figurine, The Postal Service, Golden Hits) zu lenken. Und die Fügung stellte ihm dafür DJ Koze aus dem fernen Deutschland hilfreich zur Seite.

   Ursprünglich wollte Koze neun Enya-Mixe des Amerikaners auf seinem Pampa-Label veröffentlichen. Aufgrund der komplizierten Rechteklärung landeten die Stücke dann doch sicherheitshalber als Download im Internet. Auf süßlich-nebulöse Frauenstimmen über gebrochenen Abendsonnenklängen muss allerdings auch Aimlessness nicht verzichten. Dafür sorgt in dem Stück Santa Ana Winds das Hauchen von Ramona Gonzalez alias Nite Jewel. In Still wiederum darf sich Will Wiesenfeld alias Baths – ein weiterer Vertreter der kalifornischen Hypnagogic-Szene – in wenigen Worten an die Seite des Liebsten und nach Hause wünschen. Das ist vielleicht eine Spur zu cozy, möchte man wortspielen – in L.A. hieße es wohl eher German Gemütlichkeit –, doch glücklicherweise kühlt Tamborellos Electronica diese Cozyness wieder ein wenig ab.

   Dntels Clicks-&-Cuts-Ästhetik – 14 Jahre nach dem Debüt Early Works For Me If It Works For You – muss dabei tektonisch gedacht werden: Aimlessness ist voller Sollbruchstellen und Zäsuren, ganze Klangschichten schieben sich stellenweise übereinander. So knirscht es in der Traumwelt von My Orphaned Son, das dublastig verhuschte Retracer wendet sich doch gen Enya und alle Körperteile berauschen sich am Glitch-Exzess von Bright Night. Die Grundstimmung von Aimlessness verbleibt hingegen trotz aller Frickeleien erdnah.

   Dazu wird musikhistorisch gesampelt. Der minimalistische Steve Reich-Loop in Puma klingt dabei irritierenderweise nach Piano-App (Was ist aus unseren Hörgewohnheiten geworden?), die einset- zenden Streicher erinnern an Arcade Fires Suburbs. Überraschend zaghaft fällt die Bearbeitung von Popol Vuhs Engel der Luft im finalen Paper Landscape aus. Die Hymne aus dem Fitzcarraldo-Soundtrack wird lediglich spärlich um eine irrlichternde Melodie ergänzt.

   Letztendlich trügt der Titel Aimlessness: Hier geht es insgesamt nicht unambitioniert oder ziellos zu, dafür aber doch zwanglos.

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