D.Lissvik

Bei Dan Lissvik und Rasmus Hägg steht der Umgang mit Sprache in krassem Gegenteil zu ihrer elaborierten Musik, die Göteborger wählen simple, direkte Titel zur nüchternen Beschreibung. So zeigt der Name ihres gemeinsamen Projektes Studio den Ort und den Prozess an in denen ihre Stücke entstehen, in teilweise jahrelanger Arbeit – eine erste, nur unwesentlich rohere Version des Songs »Origin« ihres letztjährigen Albums »West Coast« gab es beispielsweise bereits 2002 – werden Ideen und Strukturen immer wieder neu assembliert, editiert, expandiert, klanglich verfeinert. Ein ständiges Selbst-Remixen das vermuten lässt, dass das Duo bereits genug Material für ein halbes Dutzend weitere Alben auf Lager hat, nur auf den nötigen Konsens wartend um von beiden als veröffentlichungsreif angesehen zu werden.

VIDEO: D.Lissvik – Track 5

    Mit seinem Soloalbum überspringt Lissvik diese letzte Wartehürde, doch obwohl die darauf enthaltenen Stücke wie aus einem Guss klingen, steckt auch hierin die Feinarbeit des langen Studio-Entstehungsprozesses. Der Titel »7 Trx + Intermission« ist wieder nüchterne Produktbeschreibung: Neun (die letzten beiden blenden ineinander über) Tracks von D.Lissvik, was das musikalisch bedeutet soll der Käufer schon selbst hören. Die rein instrumental gehaltenen Stücke weichen klangästhetisch nicht weit vom charakteristischen Studio-Sound ab, am Auffälligsten ist noch das Fehlen der opulenten Synthwellen – ansonsten beginnt das Album wie der meditative Comedown nach den euphorischen Höhen von »West Coast« mit sanft verschleppten Percussions, über denen Lissvik mit sich selbst zu jammen scheint. Gitarren zwischen akustischem Mittelmeerflair und spärlicher E-Verzerrung treiben locker ineinander verzahnt dahin, werden langsam beschäftigter bis »7 Trx …« im Verlaufe des zehnminütigen dritten Stückes – einem Ausflug in die Prog-Disco der Studio-Freunde A Mountain Of One – herrlich zum Leben erwacht.

    Weiter wird der Spannungsbogen über zwei springend groovige Stücke gezogen, unterbrochen von der Titelgebenden ›Intermission‹ mit Flöte und beschäftigten Handtrommeln. Nach einer Vogelkrächzen und Autoverkehr sampelnden Momentaufnahme mündet das Album schließlich im Finale, das  –  abgesehen vom durchgängigen nervösen Ticken einer Taschenuhr –  den Energiepegel wieder symmetrisch auf das entspannte Anfangsniveau senkt. Stets bewahrt sich die Musik dabei ein Gefühl der örtlichen Intimität, als würde man sich in einem Raum mit ihrem Macher befinden. Lissvik hält die schlanken Strukturen im Großen und im Kleinen in spielerischer Veränderung – was »7 Trx…« auf den ersten Blick etwas unscheinbar wirken lässt, jedoch schnell eine wunderbar faszinierende, hypnotische Wirkung entfaltet. Ein wahres Kunststück, wenn das Resultat langer Feinarbeit derart mühelos und locker klingt.

LABEL: Information

VERTRIEB: Import / Digital

VÖ: 24.11.2008

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