Django Django Born Under Saturn

Ein bisschen zu meta: Django Djangos Idee von Neuanfang und Wiedergeburt als Sci-Fi-Psych-Rock-Entwurf auf Born Under Saturn.

Als Django Django 2012 mit klingelnden Synthies, Surfgitarren und Polyrhythmen ihr Debütalbum einläuteten, wurden in britischen und deutschen Medien ganze Spalten mit Spekulationen über die Batikgarderobe der Band und deren Bedeutung gefüllt. Oder mit der Herleitung ihres Namens – nein, er stammt nicht von Reinhardt und auch nicht von Unchained –, und ein wenig später darüber, wie viel man wohl mit der Lizenzierung zweier Songs für die Videospiele FIFA 13 und GTA V verdient haben könnte. Was macht man als Band bei dieser Form medialer Aufmerksamkeit? Man hängt die Batikklamotten zum Lüften auf den Balkon und schließt die Studiotür hinter sich ab. Ganze 18 Monate lang haben sich die vier ehemaligen Kunststudenten Vincent Neff (Gitarre, Gesang), David Maclean (Schlagzeug, Produktion), Jimmy Dixon (Bass, Gesang) und Tommy Grace (Synthesizer) aus Schottland Zeit gelassen und in London und der Kleinstadt Banbury neue Songs geschrieben und aufgenommen

Der Name ihres zweiten Albums Born Under Saturn funktioniert durchaus als Leitidee: Neuanfang und Wiedergeburt sind wiederkehrende Themen, die gut zum Sci-Fi-Psych-Rock der Band passen. Der Klang kosmischer Synthies wabert durch die Platte, der zweistimmige Gesang à la Simon & Garfunkel mutet entrückt an, dazu werden wie schon beim Debüt verschiedene Rhythmen übereinandergelegt. Plötzlich taucht überraschend ein Saxofon auf, eine Ratschgurke hat ihren Auftritt, und immer wieder trampeln galoppierende Beatcomputer herum, die toben wie Kinder in der Hüpfburg. Die Gitarre wird mal von Franz Ferdinand, mal von Tame Impala, mal von Dick Dale gespielt, dazwischen hämmert das Klavier. Das wirkt manchmal ein bisschen chaotisch, aber nie lächerlich. Zu »Shake And Tremble« kann man vortrefflich wütend tanzen, zu »Vibrations« lässt sich ein je nach Gusto gewürztes Pfeifchen rauchen, und »4000 Years« hört man am besten bei einem Country-Ritt auf einem wildgewordenen Rodeobullen, jihhaaaa.

In dem Durcheinander wundert man sich auch nicht mehr darüber, was der römische Bronze-Beau auf dem Cover-Artwork mit all dem zu tun haben könnte. Die universelle Wahrheit ist womöglich hinter dem Stück Orangengummi versteckt, das seine Scham bedeckt. Der Jüngling sieht so aus, als sei er soeben zum Leben erwacht und müsse erst seine klammen Glieder strecken. Und das passt ja dann wieder. Anfang des Jahres in Edinburgh, beim ersten Liveauftritt seit langem, trugen Django Django Neunzigerjahrefußballtrikots aus atmungspassivem Polyester. Natürlich wurde auch darüber wieder intensiv spekuliert: die Garderobenheuristik sozusagen als Brotkrumen der Orientierung für all jene, denen es bei Django Django ein bisschen zu meta wird.

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