DJ Rashad ist tot, itz (just) not rite …

DJ Rashad

Nach Frankie Knuckles hat Chicago eine weitere internationale Musikgröße verloren: DJ Rashad, prägende Figur der Juke / Footwork-Szene, verstarb gestern.

Sein Terminkalender war gut gefüllt, bereits im Juni hätte DJ Rashad etwa wieder in Berlin spielen sollen. Jene Stadt, in der er einst einen seiner bemerkenswertesten Auftritte hinlegte: Vor zwei Jahren zog er gemeinsam mit seinem langjährigen Kollegen DJ Spinn auf einem kleinen Kettenpanzer von Mitte nach Kreuzberg. Bewaffnet, im wahrsten Sinne des Wortes, war das von Nik Nowak entworfene Gefährt allerdings mit einer wuchtigen Lautsprecheranlage, für die die beiden DJs genau die richtige Munition mitgebracht hatten: Juke und Footwork, ein herrlich anstrengender Sound, eine aggressive Bass-Beat-Splitterbombe.

»Alle Dance-Stile von Disco bis Dubstep zielen auf Immersion, sie wollen die Hörer in sich einsaugen. Footwork aber wirft einen im Millisekundentakt heraus«, schrieb Alexis Waltz einst über den neuen Stil bzw. Genre. Rashad Harden gehörte zu jenen Produzenten, die ihn aus dem Ghetto-House herausarbeiteten – lange Zeit eher unbemerkt, seit der Veröffentlichung von Planet Mus erster Bangs & Works-Compilation vor nunmehr vier Jahren dann auch getragen von einer internationalen Begeisterung. Sein letztes Album Double Cup erschien dann im letzten Jahr sogar bei Hyperdub.

Angefangen hatte die Reise von DJ Rashad, der als Jugendlicher nebenbei auch noch ein erfolgreicher Tänzer, (und DJ Spinn) 1998 mit einer Veröffentlichung auf der Chicagoer Instituion Dance Mania. »Wir haben aber einfach weitergemacht. Es war immer noch Ghetto House, aber es klang etwas anders. Dann kamen Gant-Man und Puncho und nannten die Musik Juke«, erinnerte sich Harden im letzten Jahr an die Zeit nach der Dance Mania-Schließung zwei Jahre später, die so gewissermaßen auch die Entstehung von Juke förderte.

Obwohl nicht wenige von seinem hochgradig verfrickelten und harsch reduzierten Sound schlichtweg überfordert wurden, verlangte DJ Rashad für seine Musik und Teklife-Crew selbstbewusst mehr Airplay und Anerkennung. Letztere bekam er dafür umso stärker aus den diversesten Ecken der Musikszene, wie seit der Nacht auch die zahlreichen Reaktionen auf seinen, wahrscheinlich von einer Überdosis ausgelösten Tod aufzeigen.

In einer Zeit, in der so viele ausbleibende musikalische Innovationen beklagen, gehörte DJ Rashad zu den wenigen Ausnahmeerscheinungen. #TeklifeForever.