Diverse Verve Remixed / Unmixed Vol. 2

Wie klein unsere wahrgenommenen Popwelten sind, bewies im letzten Jahr eine Compilation, auf der bis auf wenige Ausnahmen den Allermeisten völlig unbekannte Musiker vertreten waren. Noch schlimmer: Es handelte sich um das Panorama einer schon gut 10 Jahre lang existierenden Szene. In der Folge erweiterten Menschen ihre Plattensammlungen mit aktueller französischer Musik. Der zweite Teil ist da Nachschub zur rechten Zeit. Diesmal konnte man sich auf aktuelle Titel beschränken und neue Künstler präsentieren. Wieder erstaunt das Niveau und die Tatsache, dass in Frankreich eine von Rockattitüde unbelastete Popszene blüht, deren Musik etwas über das tatsächliche Leben der Menschen aussagt. Ich treffe keine Langweiler, die sich hinter dichten Wannabe-Brian-Wilson-Schichten verstecken, sondern Menschen, die ich gerne näher kennenlernen möchte. Wenn Coralie Clement oder Vincent Delerem auf den Chanson der 60er und 70er oder Holden auf New-Wave-Pop verweisen, gelangt ihre Musik trotzdem immer ins Jetzt. Wie selbstverständlich hier jeder Künstler kunstvollen Pop in den Alltag überführt! Eine wirklich tolle CD, die am Ende von der genialistisch agierenden Camille den Ausblick auf Teil 3 gleich mitliefert. Camilles Album »Le sac des filles« sei einem jeden ans Herz gelegt. Ihr Gesangsstil offenbart eine Emotionalität, die ihre Musik von dem Rest der neuen Chansoniers leicht distanziert. Das Album ist leider nur als Import zu bekommen.Zwei weitere Platten aus Frankreich, auf denen aber wenig bis gar kein Französisch gesungen wird, knüpfen gut an die 16 Songs der Compilation an: Fabio Viscogliosi (siehe Einzelreview) und Julie Delpy. Sie hätte eine große Schauspielkarriere machen können – wollte aber nicht. Eine der von Godard in den 80ern entdeckten Frauen, die kurz zum Liebling der Autorenfilmer wurde, um dann lieber ihr eigenes Ding zu machen. Eigene Filme und nun eine Platte. Abgesehen von einem Stück singt sie auf Englisch. Die fast drastische, tendenziell rockistische Dichte von gesprochenen Texten zu Folkpop-Stücken erinnert an Spätsechziger Elektra-Platten. Die Fremdsprache verdeutlicht, dass es um eine Spannung geht: ein gebrochenes Spiegelbild, Regenwetter, Existenzialismus. Doch eine klassische Chanson-Geste, auch wenn sie einem anders den Kopf wäscht als Le Pop 2.

LABEL: Le Pop Musik

VERTRIEB: Groove Attack

VÖ: 00.00.0000

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